Aussaat

Gentechnik-Pflanzen in den USA 2019: Weniger ausgesät, aber keine Trendwende

(04.07.2019) In den USA haben die Farmer 2019 weniger gentechnisch veränderte Pflanzen ausgesät als im Vorjahr. Die Anbauflächen liegen mit 72,5 Millionen Hektar auf dem Niveau von 2016. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Sojaanbau insgesamt aufgrund des Handelskrieges zwischen den USA und China um zehn Prozent eingebrochen ist. Die Anbauflächen von gv-Mais und gv-Baumwolle haben hingegen zugelegt. Der GVO-Anteil bei Mais, Sojabohnen und Baumwolle liegt zwischen 92 und 98 Prozent.

Fläche in Mio. ha Anteil in %
Gv-Soja 30,5 - 94
Gv-Mais 34,1 + 92
Gv-Baumwolle 5,4 + 98
Gv-Zuckerrübe 0,45 100
Gv-Raps 0,8 100
Gv-Alfalfa 1,2 13
Papaya, Squash, Kartoffel, Apfel 0,005
Gesamt- fläche GVO 2019 72,5 - 3%
2018 74,8
2017 74,6
2016 72,3
2015 70,5
Anbauzahlen USA 2019: NASS Sojabohnen
Anbauzahlen USA 2019: NASS Mais
Anbauzahlen USA 2019: NASS Baumwolle

Anbau USA 1996-2019: Gesamtanbaufläche und Fläche mit gv-Sorten; in Mio. Hektar: Sojabohnen (oben), Mais (Mitte), Baumwolle (unten)

Foto oben: Dusan Kostic, 123RF

Auch wenn es in den USA weiter kontroverse Diskussionen um Genfood gibt - für die Landwirte ist das offenbar kein Anlass für einen Strategiewechsel bei der Sortenwahl. Nach den offiziellen Zahlen des statistischen Dienstes der US-Landwirtschaftsbehörde (NASS) haben die Farmer im Frühjahr 2019 zwar weniger gentechnisch veränderte Pflanzen ausgesät als im Vorjahr - die Flächen liegen mit 72,5 Mio. Hektar auf dem Niveau von 2016 -, das liegt aber vor allem an einem deutlichen Rückgang im Sojaanbau insgesamt.

Bei Sojabohnen ist der Gesamt-Anbau 2019 um mehr als zehn Prozent gesunken. Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Exporte nach China drastisch eingebrochen sind aufgrund des Handelskrieges zwischen den USA und China. Da der GVO-Anteil unverändert bei 94 Prozent liegt, haben sich auch die mit gv-Sojabohnen bewirtschafteten Flächen um 3,5 Millionen Hektar verringert. Es sind weiterhin ausschließlich gv-Sojabohnen mit Resistenzen gegen einen oder mehrere Herbizidwirkstoffe auf dem Markt.

Nachdem in den Vorjahren bei Mais die Gesamtflächen gesunken waren, brachten die Landwirte 2019 wieder auf drei Prozent mehr Fläche Maissaatgut aus. Der GVO-Anteil beträgt weiterhin 92 Prozent. Die meisten der im Frühjahr 2019 ausgesäten gv-Maissorten (80 Prozent) verfügen über mehrere Insekten- und Herbizidresistenzen (Stacked Genes). Im Handel sind verschiedene Sorten, die zwei oder mehr Varianten des Bt-Proteins bilden, die gegen Schädlinge wie etwa den Maiszünsler (European Corn borer) oder den Maiswurzelbohrer (Corn root worm) gerichtet sind. Zusätzlich sind diese Maispflanzen resistent gegen verschiedene Herbizide.

Leicht rückläufig ist der Anbau von Baumwolle. Die Gesamtflächen nahmen um drei Prozent ab. Da der GVO-Anteil deutlich von 94 auf nun 98 Prozent angestiegen ist, sind die Anbauflächen für gv-Baumwolle weiter leicht gestiegen. 2019 wächst gv-Baumwolle auf etwa 5,5 Millionen Hektar. Auch bei Baumwolle werden überwiegend Stacked Genes-Sorten mit Kombinationen von Herbizid- und Schädlingsresistenzen ausgesät. Ihr Anteil liegt bei 89 Prozent.

Die aktuellen Anbauzahlen deuten darauf hin, dass die US-Farmer nach wie vor von den Vorteilen gentechnisch veränderter Sorten mit Herbizid- und Insektenresistenzen überzeugt sind. Offenbar haben die zunehmenden Probleme mit resistenten Unkräutern und Schädlingen nicht zu einer veränderten Saatgut-Nachfrage geführt.

In einigen Regionen haben sich inzwischen verschiedene Unkräuter verbreitet, die gegen den überwiegend ausgebrachten Herbizidwirkstoff Glyphosat (Roundup) resistent geworden sind. Allerdings sind die Landwirte deswegen kaum zu herkömmlicher Unkrautbekämpfung zurückgekehrt, sondern bevorzugen neue gv-Sorten, die über Toleranzen gegen weitere Herbizid-Wirkstoffe verfügen, mit denen auch die Roundup-resistenten Unkräuter bekämpft werden können. Außerdem können die Landwirte nun im Wechsel verschiedene Herbizide ausbringen und so der Resistenzbildung bei den Unkräutern entgegenwirken.

Auch bei Mais und Baumwolle scheint der Trend zu gv-Sorten trotz einiger Probleme ungebrochen. Zwar treten im mittleren Westen verstärkt Maiswurzelbohrer auf, die gegen den Wirkstoff (Bt-Protein Cry3Bb1) im gv-Mais resistent geworden sind. Doch da das Konzept gegen den wichtigsten Schädling - den Maiszünsler - weiterhin wirksam ist, entscheiden sich die meisten Farmer nun für solche gv-Maissorten, die mehrere Bt-Proteine bilden und damit beide Schädlinge abwehren. Mehrere, „gestapelte“ Bt-Varianten in den neuen Sorten sollen zudem die Resistenzbildung erschweren.

Die aktuellen Zahlen für Soja, Mais und Baumwolle beziehen sich auf die jeweiligen Flächen nach der Aussaat 2019. Sie werden vom National Agricultural Statistics Service, NASS) der US-Landwirtschaftsbehörde USDA herausgegeben und basieren auf Auswertungen von Saatgutverkäufen und repräsentativen Befragungen von Landwirten. Die später im Herbst geernteten Flächen sind in der Regel etwas niedriger.

Die Zahlen zu den übrigen gv-Pflanzen stammen aus anderen Quellen. Sie stellen in der Regel die Flächen nach der Ernte 2018 dar.

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