Soja Aussaat

USA 2020: Wieder mehr Gentechnik-Pflanzen ausgesät

Nach der leichten Delle im Vorjahr haben die Farmer in den USA 2020 wieder mehr gentechnisch veränderte Pflanzen ausgesät. Die Flächen liegen mit 73,1 Millionen Hektar leicht über dem Vorjahr, aber noch unter denen des Rekordjahres 2017. Der aktuelle Anstieg geht vor allem auf das Konto von mehr Mais und Soja, bei Baumwolle gab es einen deutlichen Rückgang. Der GVO-Anteil bei Mais, Sojabohnen und Baumwolle liegt nun zwischen 92 und 96 Prozent.

Fläche in Mio. ha Anteil in %
Gv-Soja 31,9 + 94
Gv-Mais 34,2 + 92
Gv-Baumwolle 4,7 - 96
Gv-Zuckerrübe 0,45 95
Gv-Raps 0,8 90
Gv-Alfalfa 1,2 13
Papaya, Squash, Kartoffel, Apfel 0,005
Gesamt- fläche GVO 2020 73,1 + 1%
2019 72,5
2017 74,6
2016 72,3
2015 70,5
USA 2020 Soja
USA 2020 Mais
USA 2020 Baumwolle

Anbau USA 1996-2020: Gesamtanbaufläche und Fläche mit gv-Sorten; in Mio. Hektar: Sojabohnen (oben), Mais (Mitte), Baumwolle (unten)

Foto oben: Dusan Kostic, 123RF

Auch wenn es in den USA Genfood längst nicht mehr unumstritten ist und inzwischen viele Non-GMO-Produkte im Handel sind - für die Farmer ist das offenbar kein Anlass für einen Strategiewechsel bei der Sortenwahl. Nach den offiziellen Zahlen des statistischen Dienstes der US-Landwirtschaftsbehörde (NASS) haben die Farmer im Frühjahr 2020 wieder mehr gentechnisch veränderte Pflanzen ausgesät als im Vorjahr - die Flächen summieren sich nun auf 73,1 Mio. Hektar, ein leichter Zuwachs von knapp einem Prozent. Treiber waren wieder gestiegene Anbauflächen bei Mais und Soja, während sie bei Baumwolle deutlich zurückgingen.

Bei Sojabohnen ist der Gesamt-Anbaufläche 2020 nach dem Rückgang im Vorjahr nun wieder um zehn Prozent gestiegen. Einbrüche im Export nach China konnten durch steigende Lieferungen nach Europa und in andere Länder kompensiert werden. Der GVO-Anteil liegt unverändert bei 94 Prozent, die mit gv-Sojabohnen bewirtschafteten Flächen haben auf 31,9 Mio. Hektar zugenommen. Es sind weiterhin ausschließlich gv-Sojabohnen mit Resistenzen gegen einen oder mehrere Herbizidwirkstoffe auf dem Markt.

Auch bei Mais legten die Gesamtflächen 2020 um drei Prozent zu. Der GVO-Anteil beträgt weiterhin 92 Prozent, gv-Maissorten wurden auf 34,2 Mio. Hektar ausgesät. Die meisten (79 Prozent) verfügen über mehrere Insekten- und Herbizidresistenzen (Stacked Genes). Im Handel sind verschiedene Sorten, die zwei oder mehr Varianten des Bt-Proteins bilden, die gegen Schädlinge wie etwa den Maiszünsler (European Corn borer) oder den Maiswurzelbohrer (Corn root worm) gerichtet sind. Zusätzlich sind diese Maispflanzen resistent gegen verschiedene Herbizide. Gv-Maissorten, die nur Insekten- (3 Prozent) oder nur Herbizidresistenzen (10 Prozent) besitzen, spielen auf dem Markt kaum noch eine Rolle.

Weiter rückläufig ist der Anbau von Baumwolle. Die Gesamtflächen gingen deutlich um elf Prozent zurück. Da der GVO-Anteil von 98 auf 96 Prozent sank, betrugen die Anbauflächen für gv-Baumwolle 2020 nur noch 4,7 Millionen Hektar. Auch bei Baumwolle werden überwiegend Stacked Genes-Sorten mit Kombinationen von Herbizid- und Schädlingsresistenzen ausgesät. Ihr Anteil liegt bei 83 Prozent, etwas weniger als im Vorjahr.

Die aktuellen Anbauzahlen deuten darauf hin, dass die US-Farmer nach wie vor von den Vorteilen gentechnisch veränderter Sorten mit Herbizid- und Insektenresistenzen überzeugt sind. Offenbar haben die zunehmenden Probleme mit resistenten Unkräutern und Schädlingen nicht zu einer veränderten Saatgut-Nachfrage geführt.

In einigen Regionen haben sich inzwischen verschiedene Unkräuter verbreitet, die gegen den überwiegend ausgebrachten Herbizidwirkstoff Glyphosat (Roundup) resistent geworden sind. Allerdings sind die Landwirte deswegen kaum zu herkömmlicher Unkrautbekämpfung zurückgekehrt, sondern bevorzugen neue gv-Sorten, die über Toleranzen gegen weitere Herbizid-Wirkstoffe verfügen, mit denen auch die Roundup-resistenten Unkräuter bekämpft werden können. Außerdem können die Landwirte nun im Wechsel verschiedene Herbizide ausbringen und so der Resistenzbildung bei den Unkräutern entgegenwirken.

Auch bei Mais und Baumwolle scheint der Trend zu gv-Sorten trotz einiger Probleme ungebrochen. Zwar treten im mittleren Westen verstärkt Maiswurzelbohrer auf, die gegen den Wirkstoff (Bt-Protein Cry3Bb1) im gv-Mais resistent geworden sind. Doch da das Konzept gegen den wichtigsten Schädling - den Maiszünsler - weiterhin wirksam ist, entscheiden sich die meisten Farmer nun für solche gv-Maissorten, die mehrere Bt-Proteine bilden und damit beide Schädlinge abwehren. Mehrere, „gestapelte“ Bt-Varianten in den neuen Sorten sollen zudem die Resistenzbildung erschweren.

  • Die aktuellen Zahlen für Soja, Mais und Baumwolle beziehen sich auf die jeweiligen Flächen nach der Aussaat 2020. Sie werden vom National Agricultural Statistics Service, NASS) der US-Landwirtschaftsbehörde USDA herausgegeben und basieren auf Auswertungen von Saatgutverkäufen und repräsentativen Befragungen von Landwirten. Die später im Herbst geernteten Flächen sind in der Regel etwas niedriger.
  • Die Zahlen zu den übrigen gv-Pflanzen stammen aus anderen Quellen. Sie stellen in der Regel die Flächen nach der Ernte 2018 dar.