Soja Aussaat

Aussaat 2021: Gentechnik-Flächen bei Soja, Mais, Baumwolle in den USA auf Rekord-Hoch

Im Frühjahr 2021 haben die Farmer in den USA noch einmal mehr gentechnisch veränderte Pflanzen ausgesät als im Vorjahr. Bei den drei neben Weizen wichtigsten Kulturarten Mais, Soja und Baumwolle stiegen die damit bewirtschafteten Flächen auf 73,1 Millionen Hektar - so viel wie noch nie. Der GVO-Anteil an der jeweiligen Gesamtfläche liegt zwischen 93 und 97 Prozent. Hinzu kommen weitere 2,5 Millionen Hektar mit gv-Sorten bei Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Squash, Papaya, Apfelbäumen und Alfalfa. Eine Trendumkehr ist nicht zu erkennen.

Fläche in Mio. ha Anteil in %
Gv-Soja 33,6 + 95
Gv-Mais 34,9 + 93
Gv-Baumwolle 4,6 - 97
Gesamt- fläche GVO 2021 73,1 + 3%
2020 70,8
2019 70,0
2018 72,4
Sojabohnen: Anbauflächen USA, Stand 2021, NASS
Mais: Anbauflächen USA,  Stand:2021, NASS
Baumwolle: Anbauflächen USA, Stand 2021, NASS

USA: Gesamtanbaufläche und Fläche mit gv-Sorten; in Mio. Hektar: Sojabohnen (oben), Mais (Mitte), Baumwolle (unten)

Foto oben: Dusan Kostic, 123RF

Auch wenn es in den USA Genfood längst nicht mehr unumstritten ist und inzwischen viele Non-GMO-Produkte im Handel sind - für die Farmer in den großen landwirtschaftlichen Regionen ist das offenbar kein Anlass für einen Strategiewechsel bei der Sortenwahl. Im Gegenteil. Bei Sojabohnen, Mais und Baumwolle ist die Gentechnik im landwirtschaftlichen System fest etabliert.

Nach den offiziellen Zahlen des statistischen Dienstes der US-Landwirtschaftsbehörde (NASS) haben die Farmer im Frühjahr 2021 wieder mehr gentechnisch veränderte Soja-, Mais- und Baumwollpflanzen ausgesät als im Vorjahr - bei diesen Kulturarten summieren sich die Flächen auf 73,1 Mio. Hektar, ein Zuwachs von knapp drei Prozent. So viel gv-Sorten wie in diesem Jahr wurden in den USA noch nie auf die Felder gebracht. Treiber waren wieder gestiegene Anbauflächen bei Soja und Mais, während sie bei Baumwolle leicht zurückgingen.

Bei Sojabohnen ist die Gesamt-Anbaufläche 2021 erneut gestiegen, mit drei Prozent etwas weniger als im Vorjahr. Rückgänge im Export nach China konnten durch steigende Lieferungen nach Europa und in andere Länder kompensiert werden. Der GVO-Anteil kletterte auf 95 Prozent. Die mit gv-Sojabohnen bewirtschafteten Flächen haben um fast zwei Millionen Hektar auf 33,6 Millionen zugenommen. Es sind weiterhin ausschließlich gv-Sojabohnen mit Resistenzen gegen einen oder mehrere Herbizidwirkstoffe auf dem Markt.

Auch bei Mais legten die Gesamtflächen 2020 um zwei Prozent zu. Der GVO-Anteil stieg auf 93 Prozent, gv-Maissorten wurden auf 34,9 Millionen Hektar ausgesät. Die meisten (81 Prozent) verfügen über mehrere Insekten- und Herbizidresistenzen (Stacked Genes). Im Handel sind verschiedene Sorten, die zwei oder mehr Varianten des Bt-Proteins bilden, die gegen Schädlinge wie etwa den Maiszünsler (European Corn borer) oder den Maiswurzelbohrer (Corn root worm) gerichtet sind. Zusätzlich sind diese Maispflanzen resistent gegen verschiedene Herbizide. Gv-Maissorten, die nur Insekten- (3 Prozent) oder nur Herbizidresistenzen (9 Prozent) besitzen, spielen auf dem Markt kaum noch eine Rolle.

Weiter rückläufig ist der Anbau von Baumwolle. Die Gesamtflächen gingen noch einmal um drei Prozent zurück. Zwar nahm der GVO-Anteil wieder leicht auf nunmehr 97 Prozent zu, doch die Anbauflächen für gv-Baumwolle sanken 2021 auf 4,6 Millionen Hektar. Auch bei Baumwolle werden überwiegend Stacked Genes-Sorten mit Kombinationen von Herbizid- und Schädlingsresistenzen ausgesät. Ihr Anteil stieg auf 88 Prozent, fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Die aktuellen Anbauzahlen deuten darauf hin, dass die US-Farmer nach wie vor von den Vorteilen gentechnisch veränderter Sorten mit Herbizid- und Insektenresistenzen überzeugt sind. Auch die in einigen Regionen zunehmenden Probleme mit resistenten Unkräutern und Schädlingen haben nicht zu einer veränderten Saatgut-Nachfrage geführt.

In einigen Regionen haben sich inzwischen verschiedene Unkräuter verbreitet, die gegen den überwiegend ausgebrachten Herbizidwirkstoff Glyphosat (Roundup) resistent geworden sind. Allerdings sind die Landwirte deswegen kaum zu herkömmlicher Unkrautbekämpfung zurückgekehrt, sondern bevorzugen neue gv-Sorten, die über Toleranzen gegen weitere Herbizid-Wirkstoffe verfügen, mit denen auch die Roundup-resistenten Unkräuter bekämpft werden können. Außerdem können die Landwirte nun im Wechsel verschiedene Herbizide ausbringen und so der Resistenzbildung bei den Unkräutern entgegenwirken.

Auch bei Mais und Baumwolle bevorzugen die meisten Farmen weiterhin gv-Sorten. Zwar treten im mittleren Westen verstärkt Maiswurzelbohrer auf, die gegen den Wirkstoff (Bt-Protein Cry3Bb1) im gv-Mais resistent geworden sind. Doch da das Konzept gegen den wichtigsten Schädling - den Maiszünsler - weiterhin wirksam ist, entscheiden sich die meisten Farmer nun für solche gv-Maissorten, die mehrere Bt-Proteine bilden und damit beide Schädlinge abwehren. Mehrere, „gestapelte“ Bt-Varianten in den neuen Sorten sollen zudem die Resistenzbildung erschweren.

Neben Soja, Mais und Baumwolle nutzen US-Farmer gv-Sorten noch bei weiteren Kulturarten: Auf größeren Flächen bei Zuckerrüben, Raps und der Futterpflanze Alfalfa, auf kleinen bei Squash (Kürbisart), Papayas, Kartoffeln und Apfelbäumen. Deren Flächen summierten sich 2019 auf etwa 2,5 Millionen Hektar.

  • Die aktuellen Zahlen für Soja, Mais und Baumwolle beziehen sich auf die jeweiligen Flächen nach der Aussaat 2021. Sie werden vom National Agricultural Statistics Service, NASS) der US-Landwirtschaftsbehörde USDA herausgegeben und basieren auf Auswertungen von Saatgutverkäufen und repräsentativen Befragungen von Landwirten. Die später im Herbst geernteten Flächen sind in der Regel etwas niedriger.
  • Bei den übrigen gv-Pflanzen werden die GVO-Flächen nicht von der amtlichen Statistik erfasst. Die oben genannten Flächen stammen aus anderen Quellen.