Maiswurzelbohrer

Maiswurzelbohrer: Der Schädling, der nicht aufzuhalten ist

(18.12.2017) In einigen Regionen Süddeutschlands hat sich der Westliche Maiswurzelbohrer in diesem Jahr sprunghaft vermehrt. Das Regierungspräsidium Freiburg reagiert mit strengeren Vorgaben für die Landwirte: Sie dürfen nur noch zwei Jahre in Folge Mais auf derselben Fläche anbauen. Insektizide zur Bekämpfung des Schädlings sind in Deutschland nicht erlaubt. Die Landwirtschaft ist auf andere wirksame und umweltverträgliche Bekämpfungskonzepte angewiesen.

Mais, Schädlinge, Diabrotica

Die Schäden durch den Maiswurzelbohrer sind erheblich. Die Larven fressen an den Wurzeln, dadurch können die Pflanzen weniger Wasser und Nährstoffe aufnehmen und kippen leicht um. Das Bild entstand 2014 in der Steiermark, als es dort einen extremen Befall durch den Schädling gab.

Mais, Befall Diabrotica

Die flugfähigen Käfer fressen an den Narbenfäden der weiblichen Blüten und den Kolben.

Foto: Mihaly Czepo

Maiswurzelbohrer Funde 2017 in Bayern und Baden-Württemberg

Die Anzahl der in den Lockstoff-Fallen gefangenen Käfer in Bayern und Baden-Württemberg hat 2017 extrem zugenommen.

Großes Foto oben: Mihaly Czepo

Das Maiswurzelbohrer-Monitoring 2017 ist alarmierend: In Bayern hat sich die Anzahl der in den aufgestellten Fallen gefangenen Käfer in diesem Jahr gegenüber 2016 mehr als verdoppelt (2017: 6381), in Baden-Württemberg sogar weit mehr als verdreifacht (2017: 64.432).

Als Reaktion darauf kündigte das Regierungspräsidium Freiburg im November strengere Regeln für die Landwirte in der Rheinebene an. Die empfohlene Fruchtfolge, Mais maximal in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf derselben Fläche anzubauen, müsse verbindlich eingehalten werde. Entsprechende Verfügungen wurden von fünf Landkreisen inzwischen erlassen.

Bis 2014 war der Maiswurzelbohrer noch ein sogenannter „Quarantäneschädling“ und die Vorschriften zur Befallskontrolle und –eindämmung entsprechend streng. Aber mit dem Wegfall des Quarantänestatus wurden die Anbauempfehlungen offenbar nicht mehr ausreichend umgesetzt. Ein Fruchtwechsel ist zurzeit die wirksamte Methode, um den Schädling in den Griff zu bekommen, denn in Deutschland ist kein Pflanzenschutzmittel mehr zugelassen, mit dem der Schädling bekämpft werden könnte. Seit Ende 2013 ist Mais-Saatgut, das mit bestimmten Insektizid-Wirkstoffen (Neonicotinoide) gebeizt wurde, in der EU nicht mehr erlaubt. Und auch andere Insektizide stehen nicht zur Verfügung.

Der Maiswurzelbohrer ist in Deutschland und Europa ein neuer Schädling. Erst Mitte der 1990er Jahre wurde er aus den USA nach Europa eingeschleppt, 2007 erreichte er erstmals Süddeutschland. In den ersten Jahren ging es noch darum, den Eindringling mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zurückzudrängen. In einigen wenigen Regionen gelang dies auch, aber insbesondere in Baden-Württemberg entlang des Rheins sowie in Nieder- und Oberbayern mussten Behörden und Landwirte sich spätestens 2011 damit abfinden, dass der Schädling sich etabliert hatte.

Die Landwirtschaft ist auf die Entwicklung wirksamer und umweltverträglicher Bekämpfungskonzepte angewiesen. Eine Methode, die sich in Befallsgebieten in Ungarn und Österreich zunächst als vielversprechend erwiesen hatte, ist der Einsatz von Fadenwürmern (Nematoden), die der Mais über seine Wurzeln anlockt. Nematoden sind natürliche Feinde des Wurzelbohrers, sie dringen in die Schädlingslarven ein und sondern ein Bakterium ab, was diese abtötet. Das Bakterium vermehrt sich dann in seinem abgestorbenen Wirt.

Leider war diese biologische Schädlingskontrolle nicht so erfolgreich wie erhofft. Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für chemische Ökologie in Jena haben nun herausgefunden warum. Die Käferlarven können giftige Abwehrstoffe, die die Maispflanzen über die Wurzeln abgeben, in einer ungiftigen Form speichern und sie später bei Bedarf aktivieren und gegen die eigenen Feinde einsetzen. Der Schädling wandelt sozusagen die pflanzliche Abwehr zu seinem eigenen Schutz um.

Die Wissenschaftler vom MPI in Jena wollen nun herausfinden, wie der Schädling die Verteidigung der Maispflanzen austrickst, um das eigene Überleben zu sichern. Sie suchen nach den Genen, die ihn dazu befähigen. Ein mögliches neues Pflanzenschutzkonzept könnte darin bestehen, die entsprechenden Gene stillzulegen und den Mechanismus damit auszuhebeln.

In den USA, Kanada und Brasilien wurde 2015 und 2016 ein neuer Mais (MON87411) zugelassen, der die RNAi-Methode als Mittel gegen den Maiswurzelbohrer nutzt. Der von Monsanto und Dow AgroScience entwickelte MON87411-Mais bildet RNA-Schnipsel, die genau zu einem bestimmten Gen (Snf7) im Erbgut des Maiswurzelbohrers passen und dieses blockieren. Das entsprechende Protein kann nicht mehr gebildet werden und der Schädling stirbt ab. MON87411 soll verschiedenen bereits zugelassenen gv-Maislinien hinzugefügt und als SmartStax Pro vermarktet werden. Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat Mitte des Jahres dieses RNAi-Konzept in Mais als Insektizid zugelassen. In der EU ist bereits ein Antrag auf Zulassung von Mais MON87411 für den Import gestellt worden.

Gentechnisch veränderter Mais, der den insektiziden Stoff Bt-Protein bildet, wird in den USA schon seit vielen Jahren auch gegen den Maiswurzelbohrer eingesetzt. Allerdings konnte der Schädling schon nach wenigen Jahren Resistenzen gegen das spezifisch gegen ihn gerichtete Bt-Protein entwickeln. Auch deshalb wird nun angestrebt, das klassische Bt-Konzept mit dem neuen RNAi-Ansatz zu verbinden.

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