Brasilien: Virusresistente Bohnen zugelassen - Erste Eigenentwicklung bei Grüner Gentechnik

(19.09.2011) Die brasilianische Kommission für biologische Sicherheit hat eine gentechnisch veränderte virusresistente Bohne als sicher eingestuft und damit den Weg für eine Anbauzulassung freigemacht. Es ist die erste gentechnisch veränderte Pflanzen, die vollständig in Brasilien entwickelt worden ist. Sie verfügt über eine Resistenz gegen das Golden Mosaic Virus, das vor allem in Südamerika verbreitet ist und große Schäden im Bohnenanbau verursacht.

Bohne, Virus

Blatt einer Bohnenpflanze mit der für einen Befall mit dem Golden Mosaic Virus typischen Gelbfärbung. Das Virus verursacht in Südamerika große Schäden beim Anbau von Bohnen.

Foto: CABI plantwise / APS

Bohne, Virus

Die Weißfliege (auch Mottenschildlaus,Bemisia argentifolii) überträgt das BGMV-Virus auf Pflanzen, vor allem zahlreiche Bohnenarten, aber auch Tabak.

Foto: USDA / CABI

Die neue gentechnisch veränderte Bohnen wurde von Embrapa, dem brasilianischen Agrarforschungsinstitut entwickelt. Anders als bei Projekten zu gv-Zuckerrohr oder gv-Sojabohnen, bei denen Embrapa mit ausländischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen kooperiert, ist die virusresistente Bohne ein rein brasilianisches Produkt.

Das Golden Mosaic Virus (BGMV) wird durch die Weißfliege (auch Mottenschildlaus) übertragen und ist eine in Südamerika weit verbreitete Pflanzenkrankheit, die zahlreiche Bohnenarten befällt. Infizierte Pflanzen sind zunächst an gelb gefärbten Blättern zu erkennen, es bilden sich weniger und kleinere Hülsen. Je nach Stärke und Zeitpunkt des Befalls gehen die Ernteerträge zwischen vierzig und hundert Prozent zurück. Nach Angaben von Leila Oda, Präsidentin der Nationalen Gesellschaft für biologische Sicherheit (ANBio) soll der Golden Mosaic Virus für die Zerstörung von 85 Prozent der brasilianischen Bohnenernte verantwortlich sein. Bohnen sind ein Hauptnahrungsmittel in Brasilien.

Von den BGMV-Schäden sind besonders Kleinbauern betroffen, da Bohnen in Brasilien überwiegend (achtzig Prozent) von Betrieben mit Flächen unter hundert Hektar angebaut werden.

Eine Möglichkeit, den Virusbefall zurückzudrängen, ist die Bekämpfung der Weißfliege, des Überträgers der Krankheit. Doch biologische Mittel sind auf Dauer wenig wirksam, chemische sind teuer und belasten die Umwelt. Zwar gibt es einige Bohnenarten, die eine höhere Widerstandskraft gegen die Viren besitzen, doch bisher ist es nicht gelungen, eine stabile Resistenz in andere Sorten einzuzüchten.

Für die Entwicklung der virusresistenten Bohnen haben die Embrapa-Wissenschaftler ein Genkonstrukt in die Bohnen eingeführt, so dass diese eine spezielle RNA-Sequenz bilden. Sie bewirkt, dass nach einem Virus-Befall ein für die Vermehrung der Viren notwendiges Gen blockiert wird (RNA-Interferenz). Bei Versuchen zeigten die so „immunisierten“ Bohnen eine deutlich verbesserte Resistenz: 93 Prozent der Bohnen wiesen keine der für BGMV-Befall typischen Symptome auf.

Die in Brasilien für die wissenschaftliche Sicherheitsbewertung von gv-Pflanzen zuständige Kommission (National Technical Commission on Biosafety, CTNBio) hat keine Einwände, die gv-Bohnen für den Anbau freizugeben. Fünfzehn Experten stimmten dafür, zwei dagegen und fünf enthielten sich, da ihnen die Frist für eine Entscheidung zu kurz war.

Vor einer Marktfreigabe muss jedoch noch die Regierung zustimmen und entsprechende Sorten genehmigen. Ein Sprecher von Embrapa sagte, man rechne damit, dass virusresistente gv-Bohnen in drei Jahren als Saatgut erhältlich sein werden.