ohne Gentechnik

„Ohne Gentechnik“: Etwas Gentechnik ist dennoch erlaubt

Wenn Lebensmittel das „Ohne Gentechnik“-Siegel tragen, dann sind (fast) keine Anwendungen der Gentechnik zulässig. Bei tierischen Produkten wie Milch, Eier oder Fleisch sind die gesetzlichen Kriterien jedoch weniger streng. In den Futtermittel, welche die Tiere erhalten haben, sind nicht nur gentechnisch hergestellte Enzyme, Vitamine oder Aminosäuren erlaubt, sondern auch Beimischungen gentechnisch veränderter Pflanzen - sofern sie zugelassen sind - bis zu 0,9 Prozent.

Seit 1. Mai 2008 gelten in Deutschland besondere gesetzliche Bestimmungen für Lebensmitteln, die „ohne Gentechnik“ erzeugt werden. Für Produkte, die mit einem entsprechenden Hinweis versehen sind, gelten bestimmte Anforderungen. Diese sind unterschiedlich - je nachdem, ob es sich um Lebensmittel tierischen oder nicht-tierischen Ursprungs handelt.

Infografik ohne Gentechnik

„Ohne Gentechnik“: Seit August 2009 gibt es auch ein offizielles Siegel für „Ohne Gentechnik“-Produkte.

Infografik: BMEL

Bei tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eier oder Milch gibt es besondere Kriterien für Produkte mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel. Diese beziehen sich ausschließlich auf die Futtermittel,welche die Tiere erhalten haben.

Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen sind zwar grundsätzlich nicht erlaubt, dennoch stehen bestimmte Gentechnik-Anwendungen bei Futtermitteln einer „Ohne Gentechnik“-Deklaration nicht entgegen:

  • Das Verbot von gv-Futterpflanzen bezieht sich nur auf einen bestimmten Zeitraum vor der Verwertung. Bei Schweinen sind es etwa die letzten vier Monate vor der Schlachtung, bei Milch produzierenden Tieren die letzten drei Monate und bei Hühnern für die Eiererzeugung die letzten sechs Wochen.
  • „Zufällige, technisch unvermeidbare“ Beimischungen von zugelassenen gv-Pflanzen in den Futtermitteln sind erlaubt, sofern sie unterhalb des Schwellenwerts von 0,9 Prozents bleiben.
  • Zulässig sind zudem Futtermittelzusätze wie Vitamine, Aminosäuren oder Enzyme, wenn sie mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden. Die Tiere dürfen auch mit gentechnisch hergestellten Arzneimitteln oder Impfstoffen behandelt werden.

Zahlreiche Futtermittel enthalten Zusätze, mit denen fehlende oder nicht ausreichend vorhandene Nährstoffe der pflanzlichen Futtermittel ausgeglichen werden (etwa Aminosäuren Lysin oder Methionin). Andere Zusätze sollen die Futtermittelverwertung (etwa Enzyme Amylase oder Phytase) oder die Vitaminversorgung (etwa Vitamin B2) verbessern. Die meisten dieser Zusätze werden heute mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Sie dürfen auch bei „Ohne Gentechnik“-Lebensmitteln ohne Einschränkung verwendet werden.

Bei anderen nicht von Tieren stammenden Lebensmitteln und Zutaten gelten strengere Anforderungen als bei den Futtermitteln. Mit einer „Ohne Gentechnik“-Deklaration nicht vereinbar sind:

  • Zutaten oder Zusatzstoffe aus gentechnisch veränderten Pflanzen,
  • Zusatzstoffe, Vitamine, Aminosäuren, Aromen oder Enzyme, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden. Ausnahme: Die jeweiligen gentechnisch hergestellten Zusatzstoffe sind nach der EU-Ökoverordnung zugelassen und es sind keine „ohne Gentechnik“ hergestellten Alternativen erhältlich.
  • Anders als bei den Futtermittel sind zufällige oder technisch unvermeidbare GVO-Beimischungen bei „ohne Gentechnik“-Lebensmitteln nicht zulässig. Im Rahmen der amtlichen Überwachung ist es jedoch gängige Praxis, Anteile unterhalb der technischen Bestimmungsgrenze von 0,1 Prozent nicht weiter zu verfolgen, sofern es sich um zugelassene GVO handelt. - Bei den von den Bundesländern durchgeführten Kontrollen konnten auch in „Ohne Gentechnik“-Produkten GVO-Spuren (unterhalt 0,1 Prozent) nachgewiesen werden.

Um die strengen „ohne Gentechnik“-Kriterien für nicht-tierische Lebensmittel einzuhalten, müssen die Hersteller einen großen Aufwand betreiben, vor allem bei verarbeiteten Produkten mit vielen unterschiedlichen Zutaten. Das „ohne Gentechnik“-Label ist daher häufiger bei Milch und Eiern zu finden, weniger bei Fruchtjoghurt oder Speiseeis.

Frühere „Ohne Gentechnik“-Regelung. Schon zwischen 1998 und 2008 gab es in Deutschland gesetzliche Vorschriften für eine „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung. Sie schloss jede Anwendung der Gentechnik auf allen Verarbeitungsstufen aus. Da ein Nachweis dafür sehr aufwändig war, gab es damals praktisch keine Produkte mit einem solchen „Ohne Gentechnik“-Etikett.

Die Deklaration „Ohne Gentechnik“ ist für die Hersteller freiwillig.