Chicorée

Chicorée (Radicchio)

Anbau-Zulassung USA (1997)
Anbau kein Anbau
Forschung männliche Sterilität, Produktion von Ballaststoffen und Terpenen, Erhöhung des Inulingehalts
Freilandversuche EU: 48 (Belgien 13, Niederlande 10, Frankreich 5, Italien 16, Großbritannien 4) (1992-2004)
USA: 1 (1995)

Chicorée und Radicchio sind kultivierte Formen der Zichorie (Gemeine Wegwarte, Cichorium intybus), die in Europa und in einigen afrikanischen und asiatischen Regionen heimisch ist.

Bei der heute bekannten Form des Chicorées handelt es sich um die jungen Triebe der Wurzel, die in völliger Dunkelheit herangezogen werden. Ohne Licht kann sich der grüne Blattfarbstoff Chlorophyll nicht entwickeln: Die Blätter bleiben weiß, die Spitzen gelb. Auch die Bildung des Bitterstoffs Intybin wird unterdrückt, der zusammen mit Chlorophyll entsteht.

Radicchio (auch: rote Endivie) ist eine vor allem in Italien bekannte Form der Zichorie. Die rote Färbung geht auf Anthocyane (sekundäre Pflanzenstoffe) zurück. Seit einiger Zeit wird Radicchio auch nördlich der Alpen angebaut. Anders als bei Chicorée nutzt man bei Radicchio die Blätter (Köpfe) der Pflanze.

Neben der Verwendung als Lebensmittel wird Chicorée auch als Rohstoffquelle für Inulin genutzt. Diese Pflanzenfaser wird als Füll- und Ballaststoffe für funktionelle bzw. gesundheitsfördernde Lebensmittel verwendet (präbiotische Produkte für Functional Foods).

Beispiele Forschung und Entwicklung (Gentechnik, neue Züchtungsverfahren)

Männliche Sterilität zur Erleichterung der Hybridzüchtung. Wie bei vielen Kulturarten setzen Züchter und Landwirte auch bei Chicorée auf Hybridsorten. Diese sind ertragsreicher und vitaler. Für die Entwicklung solcher Sorten benötigen die Züchter männlich sterile Linien, um Selbstbefruchtung auszuschließen. Bei manchen Pflanzenarten wie Mais ist das kein Problem: Die Fahnen mit den männlichen Pollen werden vor der Blüte einfach abgeschnitten. Bei Chicorée ist das schwieriger.

In den 1990er Jahren entwickelte das niederländische Unternehmens Bejo Zaden gentechnisch veränderte Chicoréelinien, bei denen ein neu eingeführtes Gen eine männliche Sterilität bewirkt. 1995 wurden sie in der EU zugelassen, aber beschränkt auf die Saatguterzeugung. Diese Zulassung ist inzwischen nicht mehr gültig. Ein weiterer Antrag auf Zulassung von Salat und Gemüse aus dieser gv-Chicorée bzw. Radicchio wurde zwar gestellt, jedoch noch vor einer Entscheidung wieder zurückgezogen.

Heute werden männlich sterile Linien bei Chicorée mit anderen Verfahren erzeugt, etwa durch eine cytoplasmatische männliche Sterilität (CMS). Dafür werden Chicoréezellen mit Zellen von Sonnenblumen, einer nahen Verwandten, verschmolzen (Zellfusion). Einige Sonnenblumenarten besitzen eine „natürliche Sterilität“, die sie so an Chicorée weitergeben. - Die mit diesem Verfahren erzeugten Sorten sind nach Gentechnik-Recht von den Bestimmungen für gentechnisch veränderte Pflanzen (GVO) ausgenommen. Nicht nur bei Chicorée, sondern auch bei Kohl und Brokkoli sind zahlreiche CMS-Sorten auf dem Markt. Sie sind auch im Ökolandbau zugelassen. Einige deutsche Verbände wie Naturland, Bioland und Demeter lehnen sie jedoch, da CMS „der Gentechnik sehr nahe stehe“.

Produktion von Ballaststoffen und medizinischen Terpenen. Das internationale Projekt CHIC, an dem Forschungsinstitute aus elf europäischen Ländern und Neuseeland beteiligt sind, hat sich zum Ziel gesetzt, Chicoréesorten zu entwickeln, die gesundheitsfördernde Ballaststoffe und bioaktive Terpene bilden. Dafür werden verschiedene neue Züchtungstechniken wie zum Beispiel CRISPR/Cas eingesetzt. Mit Hilfe dieser modernen Verfahren ist die Entwicklung neuer Chicoréesorten deutlich schneller möglich als mit herkömmlichen Methoden. (Terpene sind eine große Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen mit verschiedenen biologischen und pharmazeutischen Funktionen. Sie sind etwa Hauptbestandteil von ätherischen Ölen. Terpene werden auch als „natürliche“ Insektizide eingesetzt.)

Erhöhter Inulingehalt. Inulin wird als Zutat in der Lebensmittelherstellung genutzt, zum Beispiel um den Ballaststoffanteil zu erhöhen oder den Geschmack zu verbessern. Es wird hauptsächlich aus Chicoréewurzeln gewonnen. Mit Hilfe gentechnischer Methoden haben Wissenschaftler Chicorée so verändert, dass in den Wurzeln deutlich mehr Inulin gebildet wird.