Maiskörner

Saatgutkontrollen 2019: Mais und Winterraps mit Gentechnik-Spuren

Jedes Jahr untersuchen die Überwachungsbehörden der Bundesländer mehrere Hundert Saatgutproben auf Spuren von gentechnisch veränderten Pflanzen. 2019 enthielten drei Proben Mais- und eine Probe Winterrapssaatgut geringfügige Gentechnik-Anteile. Diese Saatgutpartien wurden nicht ausgeliefert. Das in einigen Bundesländern geprüfte Saat- oder Pflanzgut von Luzerne, Roten Rüben, Senf, Sojabohnen, Sommerraps, Tomaten, Weißem Senf, Zucchini und Zuckerrüben blieb ohne Befund.

GVO-Funde in Saatgut bundesweit Stand 6.6.2019

Saatgut: GVO-positive Proben 2006 bis 2019

Quelle: Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Gentechnik (LAG)

Raps Saatgut

Saatgut aus Frankreich mit Spuren von gv-Raps gelangte im Herbst 2018 nach Deutschland. Es wurde von Landwirte aus zehn Bundesländern ausgesät. Da der gv-Raps (GT73) in der EU nicht zum Anbau zugelassen ist, mussten die betroffenen Rapsbestände vernichtet werden.

Jährlich untersuchen die Überwachungsbehörden der Bundesländer mehrere Hundert Saatgutproben. Sie prüfen, ob gentechnisch veränderte (gv-)Pflanzen - meist gv-Mais - nachweisbar sind. Es wird sowohl Saatgut aus Deutschland als auch Importware überwacht.

Wenn Spuren von GVO gefunden werden, liegt ihr Anteil in der Regel unterhalb der technischen Nachweisgrenze von 0,1 Prozent und damit in einem Messbereich, in dem Ergebnisse einen großen Schwankungsbereich aufweisen und nicht reproduzierbar sind.

2019 wurden 600 Saatgutproben geprüft. Der Anteil der Saatgutpartien, in denen die Behörden GVO-Spuren nachweisen konnten, war sehr gering (0,7 Prozent). Bei Mais wurden in drei von insgesamt 488 Saatgutproben GVO-Spuren gefunden (in Bayern, Berlin-Brandenburg und Niedersachsen). Nachdem bei Maissaatgut 2017 erstmals seit mehr als 15 Jahren in keiner Probe mehr GVO-Anteile nachgewiesen werden konnten, wurden 2018 und nun auch 2019 wieder geringfügige Spuren gefunden. Bei Winterraps enthielt eine von 41 Saatgut-Proben Spuren von gv-Raps (in Sachsen-Anhalt). 2019 wurden auch Saatgutproben von Luzerne (3), Roten Rüben (1), Senf (3), Sojabohnen (31), Sommerraps (8), Tomaten (2), Weißem Senf (5), Zucchini (2) und Zuckerrüben (16) untersucht. Es konnten keine GVO-Spuren nachgewiesen werden.

Saatgut mit Spuren von gv-Raps aus Frankreich nach Deutschland gelangt

Im November 2018 wurden die EU-Kommission und die Mitgliedsländer darüber informiert, dass in Frankreich in einer Saatgutpartie sehr geringe Anteile von gentechnisch verändertem Raps der Linie GT73 gefunden worden waren. GT73 ist in der EU nicht für den Anbau zugelassen. Einige Saatgutpartien gleichen Ursprungs waren zu dieser Zeit auch bereits nach Deutschland geliefert und von Landwirten in zehn Bundesländern ausgesät worden. In einer dieser Partien wurden Spuren von GT73 gefunden. Die zuständigen Behörden ermittelten in der Folge alle bereits in den Anbau gelangten Saatguteinheiten dieser Partie und veranlassten die Vernichtung der betroffenen Rapsbestände auf insgesamt etwa 2150 Hektar. Auf diesen Flächen darf bis Juli 2019 kein Raps angebaut werden, die meisten Bundesländer haben eine Anbaupause für Raps bis Juli 2020 angeordnet. Als Lebens- und Futtermittel besitzt GT73 eine EU-Zulassung, sei deshalb ein geprüft sicheres Produkt, so das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Noch immer kein Schwellenwert für Saatgut

Die Züchter betreiben einen hohen Aufwand, um die „Gentechnik-Freiheit“ des Saatguts zu gewährleisten. So vermehren sie es meist in Regionen, in denen keine gv-Pflanzen angebaut werden und im Feld keine Einkreuzungen möglich sind. Dennoch: Die Natur ist ein offenes System, in dem eine absolute „GVO-Freiheit“ nicht zu erreichen ist.

Noch immer gibt es in der EU keine verbindlichen Schwellenwerte für tolerierbare GVO-Beimischungen in konventionellem Saatgut. Da es an eindeutigen Rechtsvorschriften fehlt, wie im Falle geringer GVO-Funde an der Nachweisgrenze von 0,1 Prozent zu verfahren ist, reagieren die Behörden in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich. So gilt etwa im „gentechnik-kritischen“ Österreich ein Toleranzwert von 0,1 Prozent für zugelassene gv-Pflanzen. Die meisten der in Deutschland gefundenen GVO-positiven Saatgutpartien könnten daher in Österreich ohne Probleme ausgesät werden.

In Deutschland wird dagegen eine strikte „Nulltoleranz“ angewendet: Wenn in Saatgut GVO-Beimischungen nachgewiesen werden, wird es unabhängig von der Höhe des gemessenen GVO-Anteils als nicht verkehrsfähig behandelt. Die betroffenen Partien werden vom Markt genommen. Sollte das Saatgut bereits ausgebracht worden sein, ordnen die Behörden an, die Felder unterzupflügen. Deshalb wird angestrebt, die Untersuchungen weit vor dem Aussaattermin abzuschließen, um GVO-positive Saatgutpartien frühzeitig aus dem Handel nehmen zu können.