Oligonukleotid gerichtete Mutagenese (ODM)

Molekularbiologische Methode, um mit künstlich hergestellten Oligonukleotiden (kurze DNA-Stücke) gezielte Mutationen im Genom hervorzurufen. Wird in der Pflanzenzüchtung angewandt.

Für die Oligonukleotid gerichtete Mutagenese (Oligonucleotide-directed mutagenesis, ODM) werden Oligonukleotide synthetisch hergestellt und in die Zelle eingeschleust. Dort fügen sie an einer bestimmten Stelle im Genom eine Mutation ein, welche nur ein oder einige wenige Basenpaare betrifft. So können zum Beispiel Gene gezielt ausgeschaltet oder aktiviert werden oder durch Veränderung der Aminosäuresequenz effizientere Proteine hergestellt werden. ODM wird zu den Genome Editing-Verfahren gezählt.

Ein Vorteil im Vergleich zur klassischen Mutagenese mit Hilfe von Strahlung oder chemischen Stoffen ist, dass mit der ODM Mutationen ganz gezielt an definierten Stellen der DNA hervorgerufen werden können. Außerdem werden weniger unbeabsichtigte Mutationen im Genom ausgelöst.

ODM wurde bereits bei den Kulturpflanzen Raps, Mais, Weizen, Reis, Tabak und Banane angewandt. Mit ODM können Eigenschaften wie Herbizidtoleranz, Schädlings- und Krankheitsresistenz, Toleranz gegenüber abiotischem Stress, verlängerte Haltbarkeit sowie veränderte Stärke- und Ölzusammensetzung in Pflanzen eingebracht werden. Eine herbizidtolerante Rapssorte (Clearfield-Raps) ist in den USA bereits auf dem Markt.

Im Juli 2018 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass alle mit Genome Editing-Verfahren erzeugte Pflanzen und somit auch solche, die durch ODM entwickelt werden, unter die geltenden Gentechnik-Gesetze fallen. Ihre Verwendung, aber auch jede Freisetzung in die Umwelt müssen genehmigt werden, daraus hergestellte Lebens- und Futtermittel sind kennzeichnungspflichtig.

Siehe auch

Genome Editing Mutagenese Oligonukleotide GVO (gentechnisch veränderter Organismus)