Sojabohnen

Erste genom-editierte Pflanze geerntet: In Europa verboten, in den USA gentechnik-frei

(15.10.2018) In den USA sind erstmals genom-editierte Nutzpflanzen angebaut und geerntet worden - Sojabohnen mit einem veränderten und daher „gesünderen“ Fettsäureprofil: Anfang 2019 kommen sie als Speiseöle oder Müsliriegel in den Handel. Die Sojabohnen gelten dort nicht als „gentechnisch verändert“ und können daher ohne besondere Auflagen genutzt werden. Daraus hergestellte Lebensmittel dürfen sogar offiziell als Non-GMO beworben werden, entsprechend dem „Ohne Gentechnik“-Label bei uns. In Europa gelten die gleichen Sojabohnen dagegen als „gentechnisch verändert“ und sind erst einmal verboten.

EuGH Gerichtshof

EU: Genome Editing ist Gentechnik. Nach dem Urteil des EuGH müssen genom-editierte Pflanzen genau so reguliert werden wie gentechnisch veränderte. Das bedeutet auch: Eine GE-Pflanze ist ohne gentechnikrechtliche Zulassung in der EU verboten.

Weizen

International: In der Regel keine Gentechnik In den USA sind bereist 25 genom-editierte Pflanzen mit neuen oder verbesserten Eigenschaften offiziell als „nicht-GVO“ eingestuft.

Foto oben: EuGH

Es ist erst gut fünf Jahre her, dass es Wissenschaftlern bei Calyxt, einem jungen Bioscience-Unternehmen aus Minnesota (USA) gelang, an zwei Stellen im Erbgut von Sojabohnen gezielte Mutationen auszulösen. Dadurch enthalten sie weniger gesättigte Fettsäuren, dafür deutlich mehr der gesundheitlich wertvolleren Ölsäure: Ihr Gehalt liegt nun um ein Mehrfaches höher als bei gewöhnlichen Sojabohnen. Der große Vorteil von Speiseölen und -fetten aus den so editierten Sojabohnen: Unter hohen Temperaturen, etwa beim Braten oder Frittieren, bilden sich weniger Trans-Fettsäuren. Diese gelten als gesundheitlich bedenklich und müssen in den USA deklariert werden.

Im Frühjahr 2018 säten Farmer in drei US-Bundesstaaten auf einer Fläche von insgesamt 6700 Hektar die neuen Sojabohnen aus. Im Herbst fuhren sie die Ernte ein. Es ist das erste Mal, dass eine mit Hilfe der neuen Genome Editing-Verfahren veränderte Nutzpflanze kommerziell angebaut wurde.

Schon früh hatte Calyxt auf die neuen Genome Editing-Verfahren gesetzt, vor allem TALEN, eine gegenüber der neueren Gen-Schere CRISPR/Cas etwas kompliziertere Methode. Auch mit TALEN können an einer bestimmten Stelle im Erbgut gezielte punktuelle Mutation herbeigeführt werden, ohne dass in der fertigen Pflanze fremdes Genmaterial enthalten ist.

Auch bei Weizen, Kartoffeln, Raps und Alfalfa (Luzerne) hat Calyxt (früherer Name: Cellectis) das Verfahren bereits angewandt. Das Unternehmen konzentriert sich dabei auf Eigenschaften, von denen es erwartet, dass sie für Verbraucher besonders attraktiv sind, und auf solche, die Landwirten Vorteile bringen könnten.

Für fünf solcher Pflanzenprojekte hat die US-Landwirtschaftsbehörde (USDA) gegenüber Calyxt bescheinigt, dass sie nicht unter die Vorschriften für gentechnisch veränderte (gv-) Pflanzen fallen. Sie können damit ohne weitere Auflagen und Genehmigungen angebaut und zu Lebens- oder Futtermitteln verarbeitet werden.

Bereits abgeschlossen ist die Entwicklung der ölsäure-angereicherten Sojabohnen. Nach Abschluss der ersten Anbausaison will Calyxt nun daraus hergestellte Speiseöle, Müsliriegel und Salatdressing auf den Markt bringen - und zielt dabei vor allem auf das Segment hochwertiger Produkte für gesundheitsbewusste Verbraucher.

Gerade hat Calyxt mit zwei großen verarbeitenden Unternehmen aus dem Agrarsektor Kooperationsverträge abgeschlossen. Einer von ihnen, American Natural Processors, ist ein in den USA bekannter Anbieter von „innovativen Non-GMO-Produkten sowie Bio-Ölen und -Mehlen.“ „Wir haben einen Verarbeiter gefunden, der eine starke Erfolgsbilanz in Bezug auf Lebensmittelqualität und -sicherheit hat und sich für die Non-GMO- und Bio-Industrie engagiert“, so Manoj Sahoo, Finanzvorstand von Calyxt in einer Erklärung. „Für uns ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Kommerzialisierung unseres Öls mit hohem Ölsäuregehalt.“

Ob Produkte aus den editieren Sojabohnen tatsächlich das Non-GMO Siegel tragen, ist offenbar noch nicht abschließend entschieden. Sicher ist aber: Rechtlich möglich wäre es. Genom-editiere Pflanzen, in die kein „artfremdes“ Genmaterial eingeführt wurde und die am Ende „transgen-frei“ sind, werden von den US-Behörden in der Regel nicht als GVO eingestuft – und stehen damit einer offiziellen Deklaration als Non-GMO nicht entgegen.

Die Ölsäure-angereicherte Sojabohne ist nicht die einzige editierte Pflanze, die in den USA – und vermutlich bald auch in einigen südamerikanischen Ländern – auf den Markt kommen wird. Neben weiteren Projekten aus der Calyxt-Pipeline – Kartoffeln, Weizen, weitere Sojabohnen - arbeiten sowohl Agrokonzerne wie DuPont Pioneer und Syngenta an Markteinführungen, aber auch mehrere kleine Technologieunternehmen wie Arcadia oder Startups wie Yield10 Bioscience.

In Europa dagegen ist nach dem Urteil des EuGH erst einmal jede landwirtschaftliche Nutzung genom-editierter Pflanzen verbaut. Mehr noch: Selbst bei zufälligen, geringfügigen Beimischungen in Agrarimporten ist die Einfuhr editierter Pflanzen ohne gentechnikrechtliche Zulassung in der EU strikt verboten. Doch analytisch nachweisen lassen sich die editierten Pflanzen nicht.

Je mehr genom-editierte Pflanzen in Ländern außerhalb der EU auf die Felder kommen, um so größer werden die Probleme Europas, den eingeschlagenen Sonderweg durchzuhalten. .