Bt-Aubergine Brinjal Bangladesch

Bangladesch: Immer mehr Kleinbauern nutzen Gentechnik-Auberginen

(13.08.2018) 2018 haben 27.000 Landwirte in Bangladesch gentechnisch veränderte Bt-Auberginen ausgesät. Ein rasanter Anstieg in nur fünf Jahren seit die gv-Pflanze 2013 für den Anbau zugelassen wurde. Die Bauern müssen deutlich weniger Insektizide spritzen und ihre Nettoerlöse haben sich vervielfacht. Das berichten beteiligte Wissenschaftler des Bt-Auberginen-Projektes South Asia Eggplant Improvement Partnership in einer Veröffentlichung über den Stand der Dinge.

Anzahl der Kleinbauern, die in Bangladesch Bt-Auberginen anbauen

Anzahl der Kleinbauern, die in Bangladesch Bt-Auberginen ausgesät haben.

Bt-Aubergine Brinjal Bangladesch Befall durch Auberginenfruchtbohrer

Die Raupen des Auberginenfruchtbohrers bohren sich in die Früchte und höhlen diese aus. Trotz Insektiziden sind die Ernteverluste hoch.

Bt-Brinjal Bangladesch

Bt-Auberginen bleiben weitgehend frei von Schädlingsbefall.

Fotos: Cornell Alliance for Science, Cornell University (oben)

McCandless/Cornell (unten)

Großes Foto oben: Arif Hossain/Cornell

Auberginen, auch Brinjal genannt, sind in Bangladesch ein preiswertes und beliebtes Gemüse. Sie werden auf etwa 50.000 Hektar von Kleinbauern für lokale Märkte angebaut. Vor allem ein Schädling macht den Bauern zu schaffen: Der Auberginenfruchtbohrer. Die Falter schädigen junge Triebe und Blüten, ihre Larven bohren sich in die Früchte der Pflanzen, die dann nur noch schwer zu vermarkten sind. Üblicherweise werden deshalb große Mengen – hundert Spritzungen und mehr - an Insektiziden ausgebracht. Und trotzdem sind die Ernteverluste hoch und liegen zwischen 30 und 60 Prozent.

In den letzten Jahren haben immer mehr Landwirte Zugang zu einer neuen Bekämpfungsstrategie. 2013 wurden gentechnisch veränderte Bt-Auberginen vom zuständigen National Committee on Biosafety (NCB) zunächst für einen begrenzten kontrollierten Anbau zugelassen. Im Januar 2014 erhielten 20 Bauern Saatgut von vier verschiedenen Linien der Bt-Aubergine (BARI Bt Begun 1-4). 2018 nutzten bereits 27.000 Kleinbauern das Bt-Saatgut, das sind etwa 18 Prozent aller Brinjal-Anbauer. Die Früchte können jetzt auf lokalen Märkten verkauft werden.

Entwickelt wurde die Bt-Aubergine von der indischen Firma Mahyco. Sie brachte ein Gen (Cry1Ac) aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (Bt) in die Aubergine ein (Event EE-1). Es ist das gleiche Gen, was schon seit langem auch im Baumwollanbau genutzt wird. Aufgrund des eingeführten Bt-Gens bilden die Pflanzen einen insektiziden Stoff, Bt-Protein, der spezifisch bestimmte Schädlinge, in diesem Fall einen Falter, abtötet. Die Bt-Aubergine erwies sich als wirksam gegen den Auberginenfruchtbohrer und wurde dem Bangladesh Agricultural Research Institute (BARI) zur Verfügung gestellt - unter dem Dach einer öffentlich-privaten Partnerschaft, des Agricultural Biotechnology Support Project II (seit 2014 South Asia Eggplant Improvement Partnership). BARI brachte das Bt-Event in neun lokale Brinjalsorten ein. Vier davon sind bereits zugelassen, drei weitere befinden sich im Zulassungsprozeß.

Seit der Anbausaison 2016/17 wird das Saatgut nicht mehr nur vom BARI und einer weiteren Agrarforschungseinrichtung der Regierung kostenlos ausgegeben, sondern zusätzlich von der Bangladesh Agricultural Development Corporation gegen eine geringe Gebühr verkauft. Da das Saatgut bislang kein Hybridsaatgut ist, können die Bauern Samen aus der Ernte wiederaussäen. Die Nettoerlöse für die Landwirte haben sich laut einer Untersuchung von BARI durch den Anbau von Bt-Auberginen versechsfacht. Etwa 60 Prozent der Kosten für Insektizide konnten eingespart werden.

Bt-Brinjal könne den Schädling sehr wirksam in Schach halten, so die Wissenschaftler in ihrem Bericht. In einem Versuchsanbau des BARI (2015 und 2016) zeigte sich, dass bei den Bt-Auberginen nur 0,04 bis 0,88 Prozent Schädlingsbefall zu beobachten waren im Vergleich zu 48 bis 57 Prozent bei den Nicht-Bt-Pflanzen. In einem weitere Zweijahres-Experiment (2016-17) wurden auch Insektizid-Anwendungen miteinbezogen. Der Befall der Nicht-Bt-Früchte lag trotz wöchentlicher Insektizid-Spritzungen 2016 bei 36,7 und 2017 bei 45,51 Prozent. Der ohnehin geringe Befall der Bt-Pflanzen wurde durch Insektizide kaum beeinflußt. Dennoch wurde der höchste Ertrag auch hier auf Anbauparzellen mit Insektizid-Behandlung erzielt, da andere an der Pflanze saugende Insekten wie Thripse oder Milben durch das Bt-Protein nicht kontrolliert werden.

Bangladesch ist das erste Land in dem Bt-Auberginen angebaut werden dürfen. Im benachbarten Indien und auf den Philippinen, die eine sehr starke Opposition gegen die Nutzung von Gentechnik in der Landwirtschaft haben, sind Anbauzulassungen vorerst nicht absehbar.

Bt-Brinjal ist die erste gentechnisch veränderte Pflanze, die in Bangladesch auf den Feldern steht. Landwirte, Wissenschaftler und Behördenvertreter sind deshalb gefordert, erste Erfahrungen zu sammeln und den dauerhaften Erfolg der Bt-Technologie zu sichern. Dazu gehört insbesondere ein Resistenzmangement. So müssen sogenannte Refugien mit Nicht-Bt-Pflanzen angelegt werden, damit beginnende Resistenzen gegen den Bt-Wirkstoff immer wieder ausgedünnt werden. Für die Anfangsphase wurde ein Anteil von fünf Prozent Nicht-Bt-Pflanzen festgelgt. Für die Zukunft wird angestrebt, mehrere Bt-Gene in einzelne Sorten einzubringen, auch das kann einer Resistenzbildung vorbeugen.

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