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Überwachung 2017: Wieder mehr Gentechnik-Spuren in Soja-Produkten

(05.11.2018) 2017 wurden wieder mehr Gentechnik-Spuren in Sojaprodukten gefunden als im Vorjahr. Bei etwa jeder fünften Probe wurden die Kontrolleure fündig. Bei den Maiserzeugnissen waren es wie 2016 nur noch etwa zwei Prozent, die solche Spuren aufwiesen. In Hessen und Baden-Württemberg wurden erneut gentechnisch veränderte Papayas gefunden, die in der EU nicht zugelassen sind. Verstöße gegen die Kennzeichnungsvorschriften gab es bislang keine.

Lebensmittelüberwachung Gentechnik  bundesweit 2017 Stand: 02.11.2018

Anteil GVO-positiver Proben bei soja- und maishaltigen Lebensmitteln 2000 bis 2017, bundesweit. Daten für 2017 bislang aus zehn Ländern
Stand: 02.11.2018

Lebensmittelüberwachung Gentechnik  bundesweit 2017 Stand: 02.11.2018

2017: Anteil GVO-positiver Proben bei soja- und maishaltigen Lebensmitteln in den einzelnen Bundesländern.
Stand: 02.11.2018

Papaya

In der EU nicht zugelassen. Erneut wurden gentechnisch veränderte Papayas gefunden, die in der EU nicht zugelassen sind.

Fotos: USDA
Großes Foto oben: Catalin Rusnac/123RF

Im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung der Länder werden jedes Jahr mehr als dreitausend Lebensmittelproben auf Bestandteile gentechnisch veränderter (gv-) Pflanzen überprüft. Für das Jahr 2017 liegen bislang Daten von zehn Bundesländern vor.

Schwerpunkt waren wie in früheren Jahren soja- und maishaltige Lebensmittel. Knapp 18 Prozent der Sojaprodukte erwiesen sich als GVO-positiv. Nachdem 2016 ein Rekordtief mit nur noch 14,6 Prozent erreicht wurde, lag 2017 der Prozentsatz wieder auf ähnlichem Niveau wie 2015. Dabei schwanken die GVO-Anteile je nach Bundesland stark. So enthielten in Mecklenburg-Vorpommern nur sieben Prozent der Proben Spuren von gv-Soja, in Hamburg und Niedersachsen dagegen über 35 Prozent. Die nachgewiesenen Gentechnik-Spuren waren in der Regel sehr gering und lagen mit nur wenigen Ausnahmen unter 0,1 Prozent. GVO-Anteile zwischen 0,1 und 0,9 Prozent wurden nur in Baden-Württemberg und Hamburg (jeweils 4 Proben) gefunden.

Ebenfalls in Baden-Württemberg wurde bei einer Probe eines sojahaltigen „Veggie-Sojaschnitzels“ ein Anteil an gv-Soja knapp über dem Kennzeichnungs-Schwellenwert von 0,9 Prozent nachgewiesen, unter Berücksichtigung der Messunsicherheit allerdings kein gesichertes Ergebnis. Auch in Rheinland-Pfalz und in Niedersachsen enthielt je eine Sojaprobe über 0,9 Prozent Gentechnik-Bestandteile. In Rheinland-Pfalz handelte es sich um Sojabohnen, die aber vorschriftsmäßig gekennzeichnet waren, in Niedersachsen gab es keine Angabe zur Kennzeichnung.

Bei den Maiserzeugnissen lag ähnlich wie im Vorjahr der Anteil GVO-positiver Proben bei nur noch knapp über zwei Prozent. Die Nachweise lagen dabei allerdings nicht immer im Spurenbereich unter 0,1 Prozent. Bei zwei Maisproben (je eine in Nordrhein-Westfalen und im Saarland) lagen die GVO-Anteile über 0,1 Prozent. In Rheinland-Pfalz wurden in zwei Proben vorgekochten Maismehls über 0,9 Prozent gv-Mais nachgewiesen, die Produkte waren aber gekennzeichnet.

Außer Mais und Soja werden in vielen Bundesländern Papayas untersucht seit in den letzten Jahren vor allem in Hessen, aber auch in Hamburg beim Import zahlreiche gv-Papayas gefunden wurden. Gv-Papayas sind in der EU nicht zugelassen. 2017 wurden erneut nicht zugelassene Papayas und Papaya-Produkte gefunden. In Hessen waren 13 von 110 getesteten Früchten GVO-positiv (11,8 %). In Baden-Württemberg enthielt eine Fruchtkonserve DNA-Sequenzen eines gv-Papaya-Events, das in Taiwan entwickelt wurde und bislang in keinem Land zugelassen ist. In Bayern gab es 2017 ein Schwerpunktprogramm zu Papayas. Das Probenspektrum wurde neben ganzen Früchten auf verarbeitete Papayaerzeugnisse wie Fruchtpulver, Fruchtpüree und Papayakerne ausgeweitet. Bei keiner der untersuchten Proben wurden jedoch Verstöße festgestellt.

In fast allen Bundesländern wurde auch Reis untersucht. Vor etwa zehn Jahren war in mehreren Bundesländern gentechnisch veränderter Reis Bt63 in Reisprodukten aus China nachgewiesen worden. Dort hatte es 2002/03 Anbauversuche mit diesem gv-Reis gegeben. 2014 war dann erneut in einer Probe Reis (Hamburg) Bt63 gefunden worden. 2017 blieben jedoch bislang alle Kontrollen ohne Befund.

Auch Leinsamen-Produkte werden seit Herbst 2009 in den meisten Bundesländern regelmäßig auf GVO-Anteile untersucht. Kontrolleure hatten damals in zahlreichen Produkten nicht zugelassenen gv-Lein (Flachs) in Leinsamen aus Kanada nachgewiesen. Wurde in den Folgejahren zunächst kein gv-Lein mehr gefunden, so war 2013 in Nordrhein-Westfalen erneut eine Probe Leinsamen GVO-positiv. 2017 wurde bislang in keiner Probe gv-Lein nachgewiesen.

Weitere Lebensmittel, die kontrolliert wurden waren Raps, Kartoffel und Tomate, vereinzelt auch Zuckerrübe, Zucchini, Paprika, Aubergine, Luzerne, Weizen, Sesam, Mungbohne und Lachs. Bis auf eine Rapsprobe in Niedersachsen, bei der in der EU zugelassener gv-Raps Gt73 nachgewiesen wurde, blieben alle diese Untersuchungen ohne Befund.

In wenigen Bundesländern wurde auch auf sogenannte „botanische Verunreinigungen“ hin untersucht. So wurden etwa in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz geringe Spuren von gv-Soja in Import-Honigen nachgewiesen. In Sachsen war eine Probe eines Getreideerzeugnisses aus Vietnam auffällig, das Spuren von neun zugelassenen gv-Pflanzenlinien (6 Mais, 3 Soja) enthielt.

In Baden-Württemberg wurden auch 2017 wieder Bio-Produkte auf Spuren gentechnisch veränderter Pflanzen untersucht. In nur noch 3,4 Prozent der Bio-Sojaprodukte waren GVO-Spuren - alle geringer als 0,05 Prozent - nachweisbar, gegenüber dem Vorjahr mit zehn Prozent erneut ein deutlicher Rückgang. Bei Biomaiserzeugnissen wurden keinerlei GVO-Spuren gefunden.

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