Unkrautkontrolle im Sojaanbau

Achtzehn Jahre Gentechnik-Pflanzen in den USA: Gemischte Bilanz

Die Landwirte in den USA haben durch gentechnisch veränderte Nutzpflanzen wirtschaftlich profitiert, obwohl sie deutlich mehr für das Saatgut zahlen müssen als zu Beginn der 2000er Jahre. Der Verbrauch von Insektiziden vor allem bei Mais und Baumwolle ist seitdem stark zurück gegangen. Dagegen nimmt der Einsatz von Herbiziden wieder zu, weil viele Unkräuter inzwischen resistent geworden sind. Das geht aus einem 2014 veröffentlichten Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hervor, für den die Erfahrungen mit gv-Pflanzen ausgewertet wurden.

Soja Herbizide 2001-2014

Tendenz steigend: Herbizideinsatz im Sojaanbau. In den USA entfallen 94 Prozent des Sojaanbaus auf gentechnisch veränderte Sorten. Alle verfügen über Resistenzen gegen Herbizide. (Der Herbizidverbrauch für die Jahre 2012-2014 wurde auf der Basis verschiedener Agrarstatistiken errechnet.)

USA: Insektizideinsatz im Maisanbau

Tendenz stark fallend: Insektizideinsatz im Maisanbau. 81 Prozent der in den USA angebauten Maispflanzen besitzen eine oder mehrere Resistenzen gegen Schadinsekten.

Insektizide Baumwolle USA

Auch im Baumwollanbau ist der Verbrauch von Insektiziden in den letzten Jahren gefallen.

Offizielle Daten zum Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln werden von den US-Behörden für Agrarstatistik in unregelmäßigen Abständen erhoben. Aktuelle Daten aus den letzten Jahren liegen nicht vor.

Daten: USDA / ERS, NASS /
Perry et al. (Soja, Mais 2009 bis 2011)

Großes Foto oben: USDA / ARS

1996 wurden in den USA die weltweit ersten gv-Nutzpflanzen zugelassen. Bis heute sind die USA das Land mit der größten Anbaufläche für solche Pflanzen. Eine Studie vom Economic Research Service des United States Department of Agriculture, erschienen im Februar 2014, hat die Auswirkungen des fast achtzehnjährigen Anbaus von gv-Pflanzen auf die US-Landwirtschaft untersucht, also beispielsweise auf Saatgutpreise, Erträge und den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln.

2013 wurden gv-Nutzpflanzen in den USA auf 68 Millionen Hektar angebaut, das ist ungefähr die Hälfte der Gesamtanbaufläche für Nutzpflanzen. Seitdem ist dieser Anteil nahezu konstant geblieben. Der Löwenanteil entfällt auf die drei cash crops Soja, Mais und Baumwolle, bei denen gentechnisch veränderte Sorten auf über 90 Prozent der jeweiligen Gesamtfläche angebaut werden. Die wichtigsten Eigenschaften, die mit Hilfe der Gentechnik in verschiedene Kulturarten eingeführt wurden, sind Schädlingsresistenz durch Produktion von Bt-Proteinen, die als Fraßgifte wirken, und Herbizidtoleranz. Für beide fallen die Ergebnisse der USDA-Studie unterschiedlich aus.

Der Anbau von Bt-Pflanzen bringt in der Regel höhere Erträge und höhere Nettogewinne für die Landwirte mit sich, vor allem bei hohem Schädlingsdruck. Der Anbau herbizidtoleranter Pflanzen hingegen steigert nicht unbedingt die Erträge und Nettogewinne. Dennoch ist das Haushaltseinkommen der Landwirte, die herbizidtolerante Pflanzen anbauen, im Vergleich zu konventionellen Betrieben häufig höher. Durch die vereinfachte Unkrautbekämpfung sparen die Landwirte Zeit. Sie können dewegen mit ihren Maschinen zusätzliche Aufträge annehmen oder größere Flächen bewirtschaften.

Die größten Ertragssteigerungen erbringen Sorten mit so genannten stacked genes, die über mehrere Schädlings- und Herbizidresistenzen verfügen. Sie haben sich in den letzten Jahren am Markt immer stärker durchgesetzt und wachsen im Fall von Mais und Baumwolle auf rund drei Viertel der jeweiligen Gesamt-Anbaufläche.

Positive Auswirkungen hat die Nutzung von gv-Sorten auf den Verbrauch von Insektiziden zur Schädlingsbekämpfung. So betrug die Menge der auf Maisfeldern pro Fläche eingesetzten Insektizide 2010 nur noch ein Zehntel der Menge, die 1995 eingesetzt wurde. Auch Landwirte, die konventionellen Mais anbauen, kommen inzwischen mit deutlich weniger Insektiziden aus, weil die Populationen der Maisschädlinge durch den jahrelangen Einsatz von Bt-Pflanzen deutlich dezimiert sind. Die Entwicklung resistenter Schädlinge konnte bis auf wenige Ausnahmen durch Ausweisung so genannter Refugienflächen verhindert werden.

Auch im Baumwollanbau ging der Einsatz von Pesitiziden mit der Auswqeitung des Anbaus von Bt-Baumwolle zurück.

Der Herbizidverbrauch pro Fläche hatte in den ersten Jahren nach Einführung der herbizidtoleranten gv-Pflanzen kurzzeitig abgenommen, stige dann aber seit 2001 kontinuierlich an. Fast alle herbizidtoleranten gv-Pflanzen, die anfangs auf den Markt kamen, waren unempfindlich gegen das Breitbandherbizid Glyphosat. Ihr Anbau ermöglichte es den Landwirten, auf eine Reihe älterer und deutlich gesundheitsschädlicherer Herbizide zu verzichten. Der jahrelange einseitige Einsatz von Glyphosat hat jedoch dazu geführt, dass eine Reihe von Unkräutern ebenfalls tolerant geworden sind, weshalb viele Landwirte inzwischen größere Mengen des Herbizids ausbringen. Zum Teil wird auch wieder auf ältere Herbizide zurückgegriffen, denn neue Wirkstoffe sind seit 25 Jahren nicht mehr entwickelt worden.

Positive Auswirkungen haben herbizidtolerante Nutzpflanzen auf die Bodenbearbeitung: Landwirte, die solche Pflanzen anbauen, pflügen deutlich weniger als konventionell anbauende Landwirte. Dadurch wird die Erosion des Bodens aufgehalten und der Ausstoß von Treibhausgasen durch Landmaschinen verringert.

Gestiegen sind die Preise für gv-Saatgut: Von 2001 bis 2010 waren bei gv-Soja- und gv-Maissaatgut durchschnittliche inflationsbereinigte Preiserhöhungen von 50 Prozent zu verzeichnen, bei gv-Baumwollsaatgut stiegen die Preise sogar noch stärker. Diese Preissteigerungen sind nur teilweise auf die Lizenzgebühren zurückzuführen, die aufgrund von Patenten anfallen. Andere Faktoren, die den Saatgutpreis beeinflussen, sind die generelle genetische Verbesserung des Saatguts und der steigende Marktanteil von Sorten mit stacked genes.