Soja, Pflanzenschutzmittel

Mehr Gentechnik, mehr spritzen? Ja und nein - die Erfahrungen in den USA

Wer gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut, muss auf Dauer mehr spritzen. Das ist gerade im gentechnik-kritischen Europa ein immer wieder vorgebrachter Standardeinwand. Doch er stimmt nur zum Teil. In den USA, dem Land mit der weltweit größten Anbaufläche für gv-Pflanzen ist der Trend nicht einheitlich: Der Einsatz von Herbiziden ist gestiegen, der von Insektiziden dagegen drastisch gesunken.

Herbizideinsatz bei Soja in USA 1996 bis 2015

Tendenz steigend: Herbizideinsatz im Sojaanbau. In den USA entfallen 94 Prozent des Sojaanbaus auf gentechnisch veränderte Sorten. Alle verfügen über Resistenzen gegen Herbizide.

Insektizideinsatz bei Mais in den USA 1996 bis 2016

Tendenz fallend: Insektizideinsatz im Maisanbau. 81 Prozent der in den USA angebauten Maispflanzen besitzen eine oder mehrere Resistenzen gegen Schadinsekten.

Offizielle Daten zum Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln werden von den US-Behörden für Agrarstatistik in unregelmäßigen Abständen erhoben. Erfasst werden dabei nur die Staaten, die etwa zwischen 85 und 95 Prozent der jeweiligen Gesamtanbaufläche abdecken. Daten: USDA National Agricultural Statistics Service

Großes Foto oben: Dusan Kostic, 123RF

Die USA waren 1996 nicht nur das erste Land, in dem gentechnisch veränderte Pflanzen auf die Äcker kamen. Dort befinden sich seit mehr als zwanzig Jahren auch die weltweit größten Anbauflächen für solche Pflanzen. Derzeit sind es etwa 70 Millionen Hektar, ungefähr die Hälfte aller Nutzpflanzen-Flächen in den USA. Bei Mais und Sojabohnen entfällt auf gv-Sorten inzwischen ein Marktanteil von mehr als 90 Prozent.

Die offiziellen Agrarstatistiken der US-Landwirtschaftsbehörde erfassen getrennt nach Kulturarten den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln, etwa von Herbiziden und Insektiziden. Kombiniert man diese Daten mit den Anbauflächen für die jeweiligen Kulturpflanzen, lässt sich ermitteln, ob der anhaltende Gentechnik-Trend in der Landwirtschaft in den letzten Jahren zu mehr oder zu weniger Pflanzenschutzmitteln geführt hat.

Die Ergebnisse sind unterschiedlich:

  • Der vermehrte Anbau von herbizidresistenten gv-Sojabohnen hat den Einsatz von Herbiziden steigen lassen.
  • Bei Mais ist es umgekehrt: Der zunehmende Anbau von gv-Mais mit Resistenzen gegen verschiedene Fraßinsekten (Bt-Mais) hat zu einem deutlichen und anhaltenden Rückgang des Insektizidverbrauchs geführt.

Sojabohnen und Herbizide. In den USA sind 94 Prozent der Sojapflanzen gentechnisch verändert, alle verfügen über Resistenzen gegen ein oder mehrere Herbizide: Damit sollte die Unkrautbekämpfung einfacher und wirksamer werden. Anfangs funktionierte die neuartige Paketlösung aus gv-Sojabohnen und dem dazu passenden Breitbandherbizid so gut, dass sie sich rasch und nahezu flächendeckend durchsetzte. Genau das war das Problem.

In den ersten Jahren ging der flächenbezogene Herbizidverbrauch wie erwartet zurück, aber seit 2001 nahm er kontinuierlich wieder zu. Fast alle herbizidtoleranten gv-Pflanzen, die anfangs auf den Markt kamen, waren unempfindlich gegen das Herbizid Glyphosat. Dessen jahrelanger Einsatz ohne Frucht- oder Wirkstoffwechsel führte dazu, dass eine Reihe von Unkräutern ebenfalls eine Toleranz entwickelten: Glyphosat büßte seine Wirksamkeit ein. Viele Landwirte regierten mit höheren Herbizidmengen, oft allerdings vergeblich. Inzwischen wird auch wieder auf andere, meist schon vor längerer Zeit entwickelte Herbizide zurückgegriffen.

Dennoch haben herbizidtolerante Nutzpflanzen positive Effekte für die Bodenbearbeitung: Landwirte, die solche Pflanzen anbauen, pflügen deutlich weniger, weil sie durch Ausbringen der Herbizide ihre Äcker vor der Soja-Aussaat „unkrautfrei“ bekommen. Wenn das Pflügen entfällt, wird die Erosion des Bodens aufgehalten und der Ausstoß von Treibhausgasen durch Landmaschinen verringert.

Mais und Insektizide. Auch bei Mais sind in den USA gv-Sorten Standard (Anteil 92 Prozent). Neu eingeführt sind ein oder mehrere Gene für verschiedene Varianten des Bt-PÜroteins. Diese ursprünglich aus einem Bodenbakterium stammende Wirkstoff ist jeweils spezifisch auf bestimmte Schadinsekten wie den Maiszünsler gerichtet.

Da beim Bt-Konzept die Maispflanzen selbst ihre Insektizide bilden, können die Farmer zur Schädlingsbekämpfung deutlich weniger spritzen. Und, anders als bei den Herbiziden funktioniert das Konzept noch immer – bis heute.

Das zeigen auch die USDA-Statistiken zum Insektizidverbrauch im Maisanbau. 2010 betrug die Menge der auf jedem Hektar eingesetzten Insektizide nur noch ein Zehntel dessen, was 1995 gespritzt wurde. Seitdem verharren die Mengen weiterhin auf diesem niedrigen Niveau. Bisher haben sich bis auf wenige Ausnahmen keine resistenten Schädlinge entwickeln können. Die vorgeschrieben Resistenzmanagement-Konzepte – etwa die Anlage von Refugienflächen mit konventionellem Mais – haben sich als wirksam erwiesen. Das Bt-Konzept funktioniert immer noch - das zeigen auch die unverändert niedrigen Insektizidmengen im Maisanbau.

Auch Landwirte, die konventionellen Mais anbauen, kommen inzwischen mit deutlich weniger Insektiziden aus, weil die Populationen der Maisschädlinge durch den jahrelangen Einsatz von Bt-Pflanzen deutlich dezimiert sind.

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