Sojaöl: Mehr Omega-3-Fettsäuren, weniger Trans-Fettsäuren

Flüssig oder fest, gesund oder schlecht für die Cholesterinwerte: Maßgeblich für die Eigenschaften von Fetten sind die verschiedenen Fettsäuren, aus denen die Fettmoleküle bestehen. Bei vielen ölhaltigen Pflanzenarten wird an der Veränderung der Fettsäuremuster gearbeitet: neben Soja etwa bei Raps, Sonnenblumen oder Kokospalme. Ziele sind eine Steigerung des Gesundheitswerts sowie verbesserte technologische Eigenschaften. Erste gentechnisch veränderte Sojabohnen mit verändertem Fettsäuremuster sind bereits auf dem Markt und seit April 2015 auch für den Import in die EU zugelassen.

Sojabohnen

Omega-3-Fettsäuren: Sojaöl statt Fischöl. Mit gentechnischen Verfahren können Sojabohnen so verändert werden, dass das Sojaöl einen erhöhten Anteil an Omega-3-Fettsäuren aufweist. Ihnen wird eine vorbeugende Wirkung gegen Herz-Kreislauf- Erkrankungen zugeschrieben.

USA: Label zero transfat

Sojaöl für weniger Trans-Fette. Eine weitere gentechnisch veränderte Sojabohne liefert Öl, bei dem etwa beim Erhitzen weniger Trans-Fettsäuren entstehen. Diese erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In den USA muss deshalb der Gehalt an Trans-Fettsäuren auf dem Etikett der Lebensmittel deklariert werden. Bis 2018 sollen Transfettsäuren sogar völlig verschwinden. Die Nachfrage nach „Trans-Fettsäure-freien“ Lebensmittel ist dadurch gestiegen - und damit auch der Bedarf an pflanzlichen Fetten, die für solche Produkte geeignet sind.

Fettsäuren werden nach ihrem chemischen Aufbau in gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte unterteilt. Während tierische Fette in Fleisch, Wurst und Milchprodukten hauptsächlich gesättigte Fettsäuren enthalten, liefern Öle pflanzlicher Herkunft vorwiegend einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

  • Gesättigte Fettsäuren gelten als gesundheitlich weniger wertvoll als ungesättigte Fettsäuren.
  • Einfach ungesättigte Fettsäuren sind leichter zu verdauen als gesättigte Fettsäuren und haben keinen nachteiligen Einfluss auf die Blutfettwerte. Sie sind Hauptbestandteil etwa von Raps- und Olivenöl.
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind essenzielle Fettsäuren, die der Körper nicht bilden kann und die deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Diesen Fettsäuren - insbesondere einer Omega-3-Fettsäure - wird eine vorbeugende Wirkung bei Herz-Kreislauferkrankungen zugeschrieben.

Sojaöl mit Omega-3-Fettsäuren

In den USA und in Kanada wurde 2012 eine von Monsanto entwickelte gentechnisch veränderte Sojabohne (MON87769) zum Anbau zugelassen, deren Öl mit Stearidonsäure, einer Omega-3-Fettsäure, angereichert ist, die sonst nur in einigen Seefischarten enthalten ist. Dadurch soll die unzureichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren vieler Menschen in den Industriestaaten ausgeglichen werden.

Das Öl und daraus hergestellte Lebensmittel sollen unter dem Markennamen Soymega vermarktet werden.

In der EU wurde diese mit Omega-3-Fettsäure angereicherte gv-Sojabohne Ende April 2015 als Lebens- und Futtermittel und für den Import zugelassen.

Trans-Fettsäuren: Aus „gut“ wird „schlecht“

Natürlicherweise kommen Trans-Fettsäuren nur im Fett und der Milch von Wiederkäuern vor. Bei hohen Temperaturen - etwa beim Braten oder Frittieren - können aber aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren ebenfalls Trans-Fettsäuren werden. Diese können auch entstehen, wenn bei der Fetthärtung pflanzliche Öle in streichfähige Fette umgewandelt werden, um sie etwa für die Margarineherstellung verwenden zu können.

Trans-Fettsäuren führen zu einem Anstieg von LDL-Cholesterin, das als Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen angesehen wird. Deshalb wird angeraten, zum Braten, Backen oder zur Margarineherstellung Öle zu verwenden, die einen hohen Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren aufweisen. Aus letzteren können keine unerwünschten Transfettsäuren entstehen. Raps- oder Olivenöl entsprechen diesen Anforderungen, nicht aber Sojaöl, das große Mengen mehrfach ungesättigter Fettsäuren, vor allem Linolsäure (Omega-6-Fettsäure) enthält.

Weniger Trans-Fettsäuren beim Erhitzen

Ende 2011 wurde in den USA und Kanada die von Monsanto entwickelte Vistive Gold-Sojabohne zugelassen (Event MON87705), die weniger gesättigte Fettsäuren und einen höheren Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren enthält. Durch das gezielte Abschalten des Gens (Antisense-Technik) für ein spezielles Enzym wird die „natürliche“ Umwandlung von Ölsäure (einfach ungesättigt) in Linolsäure eingeschränkt. Die Folge: Die neuen Sojabohnen enthalten mehr der erwünschten Ölsäure (75 statt etwa 30 Prozent) und weniger der unerwünschten Linolsäure (10 statt ca. 50 Prozent).

Zudem ist in Vistive Gold-Sojabohnen als Folge einer weiteren Enzym-Blockade der Anteil zähflüssiger Fettsäuren erhöht, so dass das für viele Lebensmittel-Verwendungen notwendige Härten ganz oder teilweise entfallen kann.

Bereits 2009 erhielt eine ähnliche, von Pioneer Hi-Breed entwickelte gv-Sojabohne (Event DP-305423) die US-Zulassung. In ihr wurde ein Gen für ein Enzym blockiert, das für die Bildung von Linolsäure verantwortlich ist . Dadurch weist das Öl dieser Sojabohnen ebenfalls einen höheren Ölsäuregehalt auf.

Auch für diese beiden gv-Sojabohnen mit höherem Ölsäureanteil erteilte die EU-Kommission im April 2015 Zulassungen für den Import und als Lebens- und Futtermittel.