Maiswurzelbohrer

Explodierende Befallszahlen: Der Maiswurzelbohrer ist nicht aufzuhalten

Der Maiswurzelbohrer, ein in den 1990er Jahren aus den USA eingeschleppter Schädling, hat sich in Europa etabliert. Neue Vorschriften für den Maisanbau wie etwa Fruchtwechsel haben ihn nicht stoppen können. In Deutschland ist der Maiswurzelbohrer bisher vor allem in Nieder- und Oberbayern sowie am Oberrhein anzutreffen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Käfer förmlich explodiert. 2019 fanden sich in Baden-Württemberg so viele wie noch nie in den aufgestellten Fallen.

Maiswurzelbohrer Funde 2019, Stand: November 2019, Bayernzahlen fehlen noch

Sprunghaft angestiegen: Zahl der in den aufgestellten Fallen gefangenen Käfer in Bayern und Baden-Württemberg. (Die 2019er Zahlen für Bayern liegen noch nicht vor.) Weitere einzelne Funde: Nordrhein-Westfalen (2010), Hessen (2011), Rheinland-Pfalz (2012, 2013), Sachsen (seit 2012).
Stand November 2019, Quelle: RP Freiburg, LfL Bayern

Mais, Schädlinge, Diabrotica

Die Schäden durch den Maiswurzelbohrer sind erheblich. Die Larven fressen an den Wurzeln, dadurch können die Pflanzen weniger Wasser und Nährstoffe aufnehmen und kippen leicht um. Das Bild entstand 2014 in der Steiermark, als es dort einen extremen Befall durch den Schädling gab.

Mais, Befall Diabrotica

Die flugfähigen Käfer fressen an den Narbenfäden der weiblichen Blüten und den Kolben.

Foto und großes Foto oben: Mihaly Czepo

Mais, Verbreitung Diabrotica Europa

Ausbreitung des Maiswurzelbohrers in Europa: Mitte der 1990er-Jahre eingeschleppt mit einem Flugzeug aus den USA, breitete sich der Schädling zuerst in Südosteuropa aus. Von dort aus erreichte er Bayern. Auf einem anderen Weg - über Italien, die Schweiz und Frankreich - gelangte er nach Baden-Württemberg.

Karte: Stand 2012; Quelle: Purdue University

2007 ging das erste Exemplar eines Maiswurzelbohrers in eine der in Bayern und Baden-Württemberg aufgestellten Lockstofffallen. Allein in der Bodenseeregion wurden damals 346 Käfer gefangen.

Wie zuvor schon in anderen europäischen Maisanbauregionen wurden nun auch in Süddeutschland rigide Vorschriften eingeführt mit dem Ziel, den Schädling in den Befallsgebieten auszurotten und seine weitere Verbreitung zu verhindern.

In einigen Regionen war das Konzept erfolgreich, in anderen jedoch nicht: So konnten in der Bodenseeregion Befalls- und Sicherheitszonen 2010 aufgehoben werden.

Dagegen sind in der Rheinebene Baden-Württembergs sowie in Ober- und Unterbayern insbesondere in den letzten beiden Jahren die Zahlen der in den Fallen gefundenen Käfer sprunghaft gestiegen. In Bayern haben sich die Fangzahlen 2018 gegenüber dem Vorjahr vervierfacht (2017: 6.381, 2018: 25.250), in Baden-Württemberg wie schon 2017 ein weiteres Mal nahezu verdoppelt (2017: 65.318, 2018: 117.738). In 2019 erhobene, noch vorläufige Zahlen aus Baden-Württemberg belegen einen weiteren deutlichen Anstieg (145.438, Stand 23.10.2019).

Als Reaktion auf die deutliche Zunahme des Schädlings hatte das Regierungspräsidium Freiburg bereits 2017 strengere Regeln für die Landwirte in der Rheinebene erlassen. Die empfohlene Fruchtfolge, Mais maximal in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf derselben Fläche anzubauen, musste verbindlich eingehalten werden. Aufgrund der steigenden Fangzahlen wurde diese Regelung nun um weitere drei Jahre bis 2022 verlängert.

Bis 2014 war der Maiswurzelbohrer noch ein sogenannter „Quarantäneschädling“ und die Vorschriften zur Befallskontrolle und –eindämmung entsprechend streng. Aber mit dem Wegfall des Quarantänestatus wurden die Anbauempfehlungen offenbar nicht mehr ausreichend umgesetzt. Ein Fruchtwechsel ist zurzeit die einzige praktische Methode, um den Schädling in den Griff zu bekommen, denn in Deutschland ist kein Pflanzenschutzmittel mehr zugelassen, mit dem der Schädling bekämpft werden könnte. Seit Ende 2013 ist Mais-Saatgut, das mit bestimmten Insektizid-Wirkstoffen (Neonicotinoide) gebeizt wurde, in der EU nicht mehr erlaubt. Und auch andere Insektizide stehen nicht zur Verfügung.

Doch ob sich allein mit Vorschriften zur Fruchtfolge eine weitere Verbreitung des Schädlings eindämmen lässt, scheint inzwischen fraglich. Zu stark ist die Zahl der in den Fallen gefangenen Käfer gestiegen - trotz Fruchtfolge.

Die Landwirtschaft ist auf die Entwicklung wirksamer und umweltverträglicher Bekämpfungskonzepte angewiesen. Eine Methode, die sich in Befallsgebieten in Ungarn und Österreich zunächst als vielversprechend erwiesen hatte, ist der Einsatz von Fadenwürmern (Nematoden), die der Mais über seine Wurzeln anlockt. Nematoden sind natürliche Feinde des Wurzelbohrers, sie dringen in die Schädlingslarven ein und sondern ein Bakterium ab, was diese abtötet. Das Bakterium vermehrt sich dann in seinem abgestorbenen Wirt.

Leider war diese biologische Schädlingskontrolle nicht so erfolgreich wie erhofft. Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für chemische Ökologie in Jena haben nun herausgefunden warum. Die Käferlarven können giftige Abwehrstoffe, die die Maispflanzen über die Wurzeln abgeben, in einer ungiftigen Form speichern und sie später bei Bedarf aktivieren und gegen die eigenen Feinde einsetzen. Der Schädling wandelt sozusagen die pflanzliche Abwehr zu seinem eigenen Schutz um.

Die Wissenschaftler vom MPI in Jena wollen nun herausfinden, wie der Schädling die Verteidigung der Maispflanzen austrickst, um das eigene Überleben zu sichern. Sie suchen nach den Genen, die ihn dazu befähigen. Ein mögliches neues Pflanzenschutzkonzept könnte darin bestehen, die entsprechenden Gene stillzulegen und den Mechanismus damit auszuhebeln.

In den USA, Kanada und Brasilien wurde 2015 und 2016 ein neuer Mais (MON87411) zugelassen, der die RNAi-Methode als Mittel gegen den Maiswurzelbohrer nutzt. Der von Monsanto und Dow AgroScience entwickelte MON87411-Mais bildet RNA-Schnipsel, die genau zu einem bestimmten Gen (Snf7) im Erbgut des Maiswurzelbohrers passen und dieses blockieren. Das entsprechende Protein kann nicht mehr gebildet werden und der Schädling stirbt ab. MON87411 soll verschiedenen bereits zugelassenen gv-Maislinien hinzugefügt und als SmartStax Pro vermarktet werden. Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat Mitte des Jahres dieses RNAi-Konzept in Mais als Insektizid zugelassen. In der EU ist MON87411 seit Juli 2019 für den Import zugelassen.

Gentechnisch veränderter Mais, der den insektiziden Stoff Bt-Protein bildet, wird in den USA schon seit vielen Jahren auch gegen den Maiswurzelbohrer eingesetzt. Allerdings konnte der Schädling schon nach wenigen Jahren Resistenzen gegen das spezifisch gegen ihn gerichtete Bt-Protein entwickeln. Auch deshalb wird nun angestrebt, das klassische Bt-Konzept mit dem neuen RNAi-Ansatz zu verbinden.

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