ohne Gentechnik

Wo ohne Gentechnik drauf steht, darf etwas Gentechnik drin sein

Immer mehr Lebensmittel werben damit, „ohne Gentechnik“ zu sein. Es sind vor allem wenig verarbeitete tierische Produkte, die das grüne Siegel tragen: Milch, Eier und inzwischen auch Fleisch. Das hat seinen Grund: Bei Futtermitteln sind die ohne Gentechnik-Vorschriften längst nicht so streng wie bei normalen Lebensmittelzutaten.

Seit 2008 gelten in Deutschland besondere gesetzliche Bestimmungen für Lebensmittel, die „ohne Gentechnik“ erzeugt werden. Produkte, die mit einem entsprechenden Hinweis versehen sind, müssen bestimmte Anforderungen erfüllen.

Diese sind jedoch unterschiedlich: Bei tierisch erzeugten Lebensmitteln wie Milch, Eiern oder Fleisch beziehen sie sich vor allem auf die Futtermittel, bei denen mehrere Ausnahmen vom Gentechnik-Verbot zulässig sind. Bei allen anderen Lebensmitteln sind die Vorschriften deutlich strenger. Diese sind weitaus schwerer zu erfüllen als bei Futtermitteln: Bei verarbeiteten Lebensmitteln findet man das „Ohne Gentechnik“-Siegel deswegen kaum. Bei Produkten mit einer längeren Herstellungskette, bei Zusatzstoffen und Aromen, erst recht bei Enzymen und anderen Hilfsstoffen können (oder wollen) die Zulieferer nicht garantieren, dass sie tatsächlich ohne Gentechnik hergestellt wurden.

Nach Angaben des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) entfallen 96 Prozent des Umsatzes mit „Ohne Gentechnik“-Produkten auf Milch, Eier und Geflügelfleisch.

Die Ausnahmen: Was bei „ohne Gentechnik“-Produkten erlaubt ist

ohne Gentechnik

Bei tierisch erzeugten Lebensmittel wie Milch, Eier, Fleisch lässt das „Ohne Gentechnik“-Siegel diese Gentechnik-Anwendungen zu:

  • Futtermittelzusätze wie Enzyme, Vitamine oder Aminosäuren, die mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt sind.
    Solche Zusätze werden häufig zugesetzt, um fehlende oder nicht ausreichend vorhandene Nährstoffe der pflanzlichen Futtermittel auszugleichen (etwa Aminosäuren Lysin oder Methionin). Andere Zusätze sollen die Futtermittelverwertung (etwa Enzyme Amylase oder Phytase) oder die Vitaminversorgung (etwa Vitamin B2) verbessern. Es ist davon auszugehen, dass viele dieser Zusätze mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen produziert werden.
  • Tierarzneimittel und Impfstoffe, die mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt sind, auch solche, die lebende gv-Mikroorganismen enthalten
  • „Zufällige, technisch unvermeidbare“ Beimischungen von zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent.
  • Gv-Futterpflanzen sind zwar verboten, doch nur in einem bestimmten Zeitraum vor der Verwertung. Bei Schweinen sind es etwa die letzten vier Monate vor der Schlachtung, bei Milch produzierenden Tieren die letzten drei Monate und bei Hühnern für die Eiererzeugung die letzten sechs Wochen.
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Bei allen übrigen Lebensmitteln und -zutaten lassen die „Ohne Gentechnik“-Vorschriften nur wenige Ausnahmen zu:

  • Anders als bei Futtermitteln sind zufällige oder technisch unvermeidbare Beimischungen von GVO (gentechnisch veränderte Organismen) nicht zulässig. Im Rahmen der amtlichen Überwachung ist es jedoch gängige Praxis, Anteile unterhalb der technischen Bestimmungsgrenze von 0,1 Prozent nicht weiterzuverfolgen, sofern es sich um zugelassene GVO handelt. - Bei den von den Bundesländern durchgeführten Kontrollen konnten auch in „Ohne Gentechnik“-Produkten GVO-Spuren (unterhalb 0,1 Prozent) nachgewiesen werden.
  • Lebensmittelzusatzstoffe dürfen mit gv-Mikroorganismen hergestellt werden, wenn es sich nicht um die letzte, sondern um eine vorgelagerte Stufe im Herstellungsprozess handelt.

Eine Besonderheit sind Pflanzen, die mit klassischer Mutationszüchtung erzeugt wurden: Mit Hilfe von speziellen Chemikalien oder radioaktiver Bestrahlung werden ungerichtete Mutationen in große Zahl ausgelöst. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Juli 2018 solche Pflanzen als „gentechnisch veränderte Organismen“ eingestuft, die jedoch von den für GVO geltenden Vorschriften - etwa Zulassungspflicht, Kennzeichnung - ausgenommen sind. Welche Auswirkungen dieses EuGH-Urteil auf die „Ohne Gentechnik“-Praxis hat, ist noch nicht abzusehen. Derzeit werden Mutagenese-Pflanzen weiterhin nicht von herkömmlich gezüchteten unterschieden. Sie können wie diese in „Ohne Gentechnik“-Produkten eingesetzt werden, obwohl die EuGH-Richter sie zu GVO erklärt haben.

Frühere „Ohne Gentechnik“-Regelung. Schon zwischen 1998 und 2008 gab es in Deutschland gesetzliche Vorschriften für eine „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung. Sie schloss jede Anwendung der Gentechnik auf allen Verarbeitungsstufen aus. Da ein Nachweis dafür sehr aufwändig war, gab es damals praktisch keine Produkte mit einem solchen „Ohne Gentechnik“-Etikett.

Die Deklaration „Ohne Gentechnik“ ist für die Hersteller freiwillig.

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