Sojabohnen

Sojabohnen aus Deutschland: Heimischer Anbau statt Importe?

Europa hat einen großen Teil seiner Futtermittelerzeugung nach Nord- und Südamerika ausgelagert und nimmt dort dafür große Flächen in Anspruch. Diese Abhängigkeit stößt zunehmend auf Kritik - nicht nur weil so gentechnisch veränderte Sojabohnen nach Europa kommen, sondern auch wegen der oft wenig nachhaltigen Bedingungen, unter denen dort Sojabohnen angebaut werden, etwa Monokulturen, Waldrodungen oder Chemikalieneinsatz. Doch ein Anbau eiweißreicher Futterpflanzen in Europa, der auch nur ansatzweise die Sojaimporte ersetzen könnte, ist schwierig.

Sojabohnen: EU

Sojaimporte (Bohnen, Schrot): 33 Mio. t

Sojaproduktion: 2,4 Mio. t, vor allem in Italien und im Donauraum (Österreich, Ungarn, Kroatien, Rumänien)

Sojabohnen: Deutschland

Sojaimporte (Bohnen, Schrot): 6,7 Mio. t

Sojaproduktion:
2016: 15.000 ha, 41.000 t (FAO)
2017: 19.000 ha, 60.000 t (Donau Soja)

Zahlen: 2016/2017 (OVID/FAO/Doanu Soja)

Foto oben: Feld mit Sojabohnen in der Rheinebene

Bis vor wenigen Jahren ging der Anbau eiweißreicher Futterpflanzen in Deutschland - und ähnlich auch in vielen europäischen Ländern - immer mehr zurück.

Inzwischen hat sich die Agrarpolitik wieder eine nationale (oder europäische) Eiweißstrategie auf die Fahnen geschrieben. In Deutschland wird nicht nur der Anbau eiweißreicher Futterpflanzen öffentlich gefördert, sondern auch Züchtung und Agrarforschung. Zudem können die Landwirte alternative Eiweißpflanzen wie Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen im Rahmen des neuerdings vorgeschriebenen Greenings als „ökologische Vorrangfläche“ anrechnen lassen, da solche Pflanzen (Leguminosen) Stickstoff im Boden anreichern (Gründüngung). Blieb bis 2014 der Anbau solcher Pflanzen mit etwa 0,3 Millionen Tonnen nahezu unverändert, so stiegen die Anbauzahlen 2016 auf 0,5 Millionen Tonnen an. Gleichzeitig wird auch immer mehr Rapsschrot als Eiweißfuttermittel eingesetzt. Mit vier Millionen Tonnen hat sich der Verbrauch seit 2004 verdoppelt.

Dennoch: Das wichtigste Eiweißfuttermittel in Deutschland ist das aus Sojabohnen gewonnene Sojaschrot. Gegenüber den Sojaimporten vor allem aus Südamerika kann die heimische Erzeugung weder preislich noch bei Eiweißgehalt und -qualität mithalten.

Deshalb wird vor allem auch der heimische Sojaanbau gefördert - und die Flächen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. In Deutschland haben sie sich von 1.000 (2008) auf nunmehr 19.000 Hektar (2017, Soja-Förderring) vervielfacht. Auch wenn hier inzwischen mehr als 40.000 Tonnen Sojabohnen geerntet werden - gegen die importierte Menge (6,7 Mio t) fallen sie kaum ins Gewicht. Zudem ist der Proteingehalt von europäischer Soja deutlich niedriger als bei brasilianischer.

Sojabohnen benötigen ein feucht-warmes Klima wie es allenfalls in Bayern und Baden-Württemberg anzutreffen ist. In den nördlichen Bundesländern fallen die Erträge deutlich geringer aus. In Nordrhein-Westfalen ist die Sojafläche trotz des politischen Rückenwinds nicht über 120 Hektar (2015) hinausgekommen.

Ähnlich in Europa: Neben den traditionellen Soja-Regionen in Italien und Frankreich setzen vor allem die klimatisch günstig gelegenen Donauländer Österreich, Ungarn, Kroatien und Rumänien verstärkt auf den Anbau „regionaler, gentechnik-freier Sojabohnen“. Die gesamte EU erzielt derzeit eine Sojaernte von jährlich etwa 2,4 Million Tonnen. Auch wenn der Trend aufwärts geht - es sind gerade mal etwa 7,5 Prozent der europäischen Einfuhren.

Auch einige südosteuropäische Länder - vor allem die Ukraine, aber auch Moldawien, Serbien und Russland - setzen auf Sojabohnen. Allein in der Ukraine werden sie auf zwei Millionen Hektar kultiviert. Allerdings sollen dort mehr als zwei Drittel der Produktion mit illegal ausgebrachten gv-Sojabohnen erzielt werden.

Keine Sojaimporte mehr: Zusätzlich benötigte Flächen

Wenn etwa die gesamten Sojaimporte aus Nord- und Südamerika nach Deutschland durch den Anbau heimischer Eiweißpflanzen ersetzt werden sollten, wären folgende zusätzliche Flächen erforderlich:

Sojabohnen

Sojabohnen:

  • benötigte zusätzliche landwirtschaftliche Fläche: 2,4 Mio. Hektar

Dabei ist nicht berücksichtigt, dass nur in Süddeutschland für den Sojaanbau geeignete klimatische Bedingungen vorhanden sind.

Erbsen

Futtererbsen:

  • benötigte zusätzliche landwirtschaftliche Fläche: 2,25 Mio. Hektar
  • unter Berücksichtigung des gegenüber Sojabohnen geringeren Eiweißgehalts): ca. 4 Mio. Hektar

Der Anbau von Futtererbsen in Deutschland ist schwierig, da die Kulturen anfällig gegen Krankheiten sind, vor allem Pilzerkrankungen.

Lupine

Lupine:

  • benötigte zusätzliche landwirtschaftliche Fläche: 5,35 Mio. Hektar

Der Anbau von Süßlupinen mit guten Erträgen ist auch in Norddeutschland möglich.

Gesamte landwirtschaftliche Fläche in Deutschland: 18 Mio. Hektar (davon Ackerbau: 11,9 Mio. Hektar)

Flächenberechnungen: Pflanzen-Forschung-Ethik.de