Fridays for Future

Nachhaltige Intensivierung. Die Empfehlungen des Weltklimarats zur Landwirtschaft

(10.09.2019) Die Weltbevölkerung steigt, aber mehr Land, um sie zu ernähren gibt es nicht. Weltweit muss die Landwirtschaft mehr produzieren, ohne mehr Flächen zu verbrauchen – und zugleich weniger Treibhausgase ausstoßen. Wie kann das gelingen? Im August veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) seinen Sonderbericht „Klimawandel und Landsysteme“. Er empfiehlt eine Vielzahl von Maßnahmen. Sie reichen von einem veränderten Ernährungsstil, etwa weniger Fleisch, bis hin zur Züchtung besser angepasster Nutzpflanzen – auch mit Hilfe von Genome Editing.

IPCC-Report Landsysteme

Der IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme wurde im August 2019 auf der 50. IPCC-Plenarsitzung in Genf von allen 195 Mitgliedstaaten verabschiedet. Die Zusammenfassung richtet sich insbesondere an politische Entscheidungsträger. - An dem Bericht waren 107 Wissenschaftler aus 52 Staaten beteiligt. Über 7000 wissenschaftliche Veröffentlichungen wurden ausgewertet.

Nicht allein mit Technik. Durch technische Maßnahmen in der Landwirtschaft können 2,3 bis 9,6 Milliarden Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Mit nicht-technischen Maßnahmen - etwa Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, weniger Verschwendung - sind Einsparungen von 0,7 bis 8 Milliarden Tonnen CO2 möglich. (Zeithorizont 2050)

Großes Foto oben: Zentrale Fridays for Future-Demo am 21.06.19 in Aachen

70 Prozent der eisfreien Flächen werden heute genutzt, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Der Rest sind Wälder, Grasland, aber auch Wüsten und Hochgebirge. Mehr geht nicht. Ausweiten lassen sich die Flächen für die Landwirtschaft nicht. Im Gegenteil: Besser wäre es, ökologisch sensible Flächen weniger intensiv zu nutzen und sie sogar freizugeben, um sie wieder aufzuforsten.

Doch die Weltbevölkerung nimmt weiter zu, die Ansprüche an Ernährung und Agrarprodukte steigen. Und damit wächst der Nutzungsdruck auf die Landflächen. Brennende Regenwälder sind da nur ein aktuell sichtbares Symptom eines umfassenden Problems.

Wenn Vegetation verschwindet – sei es durch Entwaldung, Landdegradierung, Bodenerosion, Wüstenbildung – sinkt die Fähigkeit der Landökosysteme, CO2 aufzunehmen und zu binden. In den letzten Jahren war das ein knappes Drittel der globalen CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Industrien. Daran wirken alle grünen Pflanzen und Klein-Lebewesen - etwa Algen - mit, die Fotosynthese betreiben können, aber auch die Böden, vor allem deren Humusanteil.

Deutlich mehr Ertrag auf weniger Flächen zu erzielen, das ist die große Herausforderung. Zudem müssen die Landsysteme so genutzt werden, dass die Treibhausgasemissionen sinken - auch die aus der Landwirtschaft. Weltweit gehen 23 Prozent der Klimagase auf deren Konto, in Deutschland sind es nur sieben. Ein Großteil davon sind Methanausscheidungen von Rindern und Lachgas, das vor allem bei der Düngung frei wird.

Die Weltbevölkerung sicher und nachhaltig zu ernähren und gleichzeitig die Landnutzung so zu verändern, dass sie den Klimawandel nicht weiter anheizt, sondern ihm durch großflächige Aufforstungen sogar entgegenwirkt – wie kann das gehen? Der aktuelle Sonderbericht des „Weltklimarats“ (IPCC) „Klimawandel und Landsysteme“ hat dazu nicht nur unzählige wissenschaftliche Studien ausgewertet, sondern enthält – gerichtet vor allem an die Politiker – zahlreiche Empfehlungen. Sie betreffen Konsumverhalten und Ernährungsgewohnheiten – vor allem eine weniger fleischlastige Kost -, zielen auf eine Verringerung der Lebensmittelverschwendung und auf „technische Verbesserungen“ im Bereich der Landwirtschaft.

Dazu zählen neben Aufforstung, einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung (ohne Pflügen) oder der Wiederherstellung von Ökosystemen – vor allem eine „nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft“. Wie diese konkret aussehen könnte, dafür gibt es keine Patentrezepte. Dort, wo die Landwirtschaft überwiegend von Kleinbauern getragen wird, können ein besserer Zugang zu angepasstem Saatgut und technischen Hilfsmitten, Kleinkredite oder mehr Wissen und Bildung helfen. Gerade in solchen noch wenig entwickelten Regionen können auch Konzepte aus der Ökologischen Landwirtschaft dazu beitragen, die Erträge und damit das Einkommen in den Dörfern zu steigern.

Doch dass allein mit „Öko“ das Ziel einer „nachhaltigen Intensivierung“ - mehr Ertrag auf weniger Flächen - erreichbar sein könnte, erwähnt der IPCC-Bericht an keiner Stelle. In Deutschland liegen die Flächenerträge des Öko-Landbaus je nach Kulturart zwischen 30 und 60 Prozent unter denen der konventionellen Betriebe. Um diese Unterschiede auszugleichen, müssten weitere Flächen genutzt werden - was den vom Weltklimarat postulierten Zielen widerspricht.

Doch „Fortschritte in der Pflanzenzüchtung“ seien von „entscheidender Bedeutung für die Verbesserung der Ernährungssicherheit unter sich ändernden klimatischen Bedingungen“, so der IPCC Sonderbericht. „Eine Verbesserung der Genetik ist erforderlich, um Nutzpflanzen und Nutztiere zu züchten, die sowohl die Treibhausgasemissionen senken als auch eine höhere Trockenheits- und Hitzetoleranz besitzen“ (Kap. 5, 112). Notwendig seien auch Zuchtprogramme für Pflanzen und Tiere mit einer “verbesserten Wasser- und Nährstoffnutzungseffizienz“ oder eine Anpassung an Überschwemmungen und hohe Salzgehalte. (5-43)

Ausdrücklich weist der Bericht auf die Bedeutung biotechnologischer Verfahren hin (5-43), insbesondere auf das Genome-Editing-Verfahren CRISPR-Cas (Genschere), das in der Pflanzenzüchtung eingesetzt werden könne, um höhere Erträge zu erzielen. Möglich sei damit auch Pflanzen zu entwickeln, die nährstoffangereichert sind, oder solche, die besser mit Hitze- und Trockenstress sowie mit Schädlings- und Krankheitsbefall zurechtkommen. (5-113)

#UnitebehindtheScience, postuliert Fridays for Future und meint damit auch die Berichte des Weltklimarates. Nehmen Klimabewegung und Politik diese ernst, müssten sie fordern, Genome Editing und andere molekularbiologische Züchtungsverfahren stärker zu forcieren. Wie viele andere Maßnahmen auch können sie einen Beitrag leisten, die Klimaerwärmung abzuschwächen und ihre Folgen zu mildern. Diese Verfahren durch wissenschaftlich nicht begründete Überregulierung zu behindern, wie es derzeit in Deutschland und der EU geschieht - zu einer durchdachten Klimapolitik passt das nicht.

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