Sojabohnen Anbau

Sojabohnen: Anbau in Deutschland steigt - die Eiweißlücke auch

Europa und auch Deutschland haben einen großen Teil ihrer Futtermittelerzeugung nach Nord- und Südamerika ausgelagert. Sie nimmt dort große Flächen in Anspruch. Diese Abhängigkeit stößt zunehmend auf Kritik - nicht nur weil so gentechnisch veränderte Sojabohnen nach Europa kommen, sondern auch wegen der oft wenig nachhaltigen Bedingungen, unter denen Sojabohnen angebaut werden, etwa Monokulturen, Waldrodungen oder Chemikalieneinsatz. Doch ein Anbau eiweißreicher Futterpflanzen in Europa, der die Sojaimporte ersetzen könnte, ist schwierig.

Erntemengen von Soja, Raps und Körnerleguminosen sowie Verbrauch von Soja- und Rapsschrot

Raps überholt Soja: Auch wenn 2017 erstmals mehr Rapsschrot verfüttert wurde als Sojaschrot - Deutschland bleibt von Sojaimporten abhängig. Der heimische Sojaanbau fällt kaum ins Gewicht. Und die Rapsernten sind seit 2014 insbesondere im Hitzejahr 2018 drastisch gesunken. Die „Eiweißlücke“ vergrößerte sich 2018 weiter auf mehr als 70 Prozent.

Sojabohnen: EU

Sojaimporte (Bohnen, Schrot): ca.33 Mio. t

Sojaproduktion: 2,7 Mio. t, vor allem in Italien und im Donauraum (Österreich, Ungarn, Kroatien, Rumänien)

Sojabohnen: Deutschland

Sojaimporte (Bohnen, Schrot): 6,2 Mio. t

Sojaproduktion:
2016: 15.000 ha, 41.000 t
2017: 19.100 ha, 62.000 t
2018: 24.100 ha

Zahlen: (OVID, FAO, BMEL)

Großes Foto oben: oticki, 123RF

Bis vor wenigen Jahren ging der Anbau eiweißreicher Futterpflanzen in Deutschland - und ähnlich auch in vielen europäischen Ländern - immer mehr zurück.

Inzwischen hat sich die Agrarpolitik wieder eine nationale (oder europäische) Eiweißstrategie auf die Fahnen geschrieben. In Deutschland wird nicht nur der Anbau eiweißreicher Futterpflanzen öffentlich gefördert, sondern auch Züchtung und Agrarforschung. Zudem können die Landwirte alternative Eiweißpflanzen wie Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen im Rahmen des neuerdings vorgeschriebenen Greenings als „ökologische Vorrangfläche“ anrechnen lassen, da solche Pflanzen (Leguminosen) Stickstoff im Boden anreichern (Gründüngung).

Bis 2014 blieb der Anbau eiweißreicher Futterpflanzen in Deutschland mit etwa 0,3 Millionen Tonnen nahezu unverändert. Danach stiegen die Flächen und die Erträge an (0,5 Millionen Tonnen 2016/17). Gleichzeitig wird auch immer mehr Rapsschrot als Eiweißfuttermittel eingesetzt. Mit vier Millionen Tonnen hat sich der Verbrauch seit 2004 nahezu verdoppelt - auch wenn der heimische Anbau seit 2014 wieder rückläufig ist und insbesondere im heißen und trockenen Sommer 2018 einen Einbruch zu verzeichnen hatte. Rapsschrot fällt bei der Verarbeitung von Raps zu Biodiesel oder Öl als eiweißreicher „Reststoff“ an.

Dennoch: Das wichtigste Eiweißfuttermittel in Deutschland ist das aus Sojabohnen gewonnene Sojaschrot. Deshalb wird vor allem auch der heimische Sojaanbau gefördert - und die Flächen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. In Deutschland haben sie sich von 1.000 (2008) auf nunmehr 24.100 Hektar (2018, BMEL) vervielfacht. Auch wenn hier inzwischen mehr als 60.000 Tonnen Sojabohnen geerntet werden - gegen die importierte Menge (6,2 Mio t) fallen sie kaum ins Gewicht. Und die heimische Erzeugung kann gegenüber den Sojaimporten vor allem aus Südamerika weder preislich noch bei Eiweißgehalt und -qualität mithalten.

Sojabohnen benötigen ein feucht-warmes Klima wie es allenfalls in Bayern und Baden-Württemberg anzutreffen ist. In den nördlichen Bundesländern fallen die Erträge deutlich geringer aus.

Ähnlich in Europa: Neben den traditionellen Soja-Regionen in Italien und Frankreich setzen vor allem die klimatisch günstig gelegenen Donauländer Österreich, Ungarn, Kroatien und Rumänien verstärkt auf den Anbau „regionaler, gentechnik-freier Sojabohnen“. Die gesamte EU erzielt derzeit eine Sojaernte von jährlich etwa 2,7 Million Tonnen. Auch wenn der Trend aufwärts geht - es sind gerade mal etwa 7,5 Prozent der europäischen Einfuhren.

Auch einige südosteuropäische Länder - vor allem die Ukraine, aber auch Moldawien, Serbien und Russland - wollen von der europäischen Nachfrage nach Sojabohnen profitieren. Allein in der Ukraine werden sie auf zwei Millionen Hektar kultiviert. Allerdings sollen dort mehr als zwei Drittel der Produktion mit illegal ausgebrachten gv-Sojabohnen erzielt werden.