Maisernte

USA 2017: Keine Trendwende - Anbau von Gentechnik-Pflanzen nimmt weiter zu

(03.07.2017) Der Trend ist ungebrochen: In den USA setzen die Farmer weiterhin auf gentechnisch veränderte Pflanzen. Im Frühjahr 2017 haben sie mehr ausgebracht als je zuvor. Die damit bewirtschafteten Flächen sind gegenüber dem Vorjahr noch einmal um 2,1 Millionen Hektar gestiegen. Der GVO-Anteil bei Sojabohnen, Mais und Baumwolle liegt zwischen 92 und 96 Prozent. Offenbar haben die auch in den USA heftiger werdenden öffentlichen Diskussionen und die grundsätzlich beschlossene Kennzeichnung bei den Landwirten nicht dazu geführt, wieder mehr zu konventionellen Sorten zurückzukehren.

Fläche in Mio. ha Anteil in %
Gv-Soja 34,2 + 94
Gv-Mais 33,8 - 92
Gv-Baumwolle 4,7 + 96
Gv-Zuckerrübe 0,47 100
Gv-Raps 0,47 90
Gv-Alfalfa 1,0 13
Papaya, Squash 0,002
Gesamt- fläche GVO 2017 74,6 +2,8%
2016 72,3
2015 70,5
Anbau USA 2017 Soja
Anbau USA 2017 Mais
Anbau USA 2017 Baumwolle

Anbau USA 1996-2016: Gesamtanbaufläche und Fläche mit gv-Sorten; in Mio. Hektar: Sojabohnen (oben), Mais (Mitte), Baumwolle (unten)

Foto oben: Dusan Kostic, 123RF

Auch wenn es in den USA immer wieder Anzeichen einer abnehmenden Verbraucherakzeptanz für Genfood gibt - bei den Landwirten ist das noch nicht angekommen. Nach den offiziellen Zahlen des statistischen Dienstes der US-Landwirtschaftsbehörde (NASS) haben die Farmer in diesem Frühjahr erneut mehr gentechnisch verändertes Saatgut gekauft und ausgesät als im Vorjahr. Die Flächen sind insgesamt auf nunmehr 74,8 Millionen Hektar gestiegen.

Obwohl auch große Agrarhändler wie Cargill inzwischen „gentechnik-freie“ Rohstoffe anbieten, bevorzugen die meisten Landwirte vor allem bei Mais, Sojabohnen und Baumwolle weiterhin gv-Sorten, die eine einfache und wirksame Unkraut- und Schädlingsbekämpfung ermöglichen.

Bei Sojabohnen ist der Anbau 2017 um sieben Prozent auf einen neuen Rekordwert angestiegen. Da der GVO-Anteil unverändert 94 Prozent beträgt, sind die mit gv-Sojabohnen bewirtschafteten Flächen in diesem Jahr um 2,4 auf 34,2 Millionen Hektar angewachsen - so viel wie noch nie. Der Bundesstaat mit dem niedrigsten GVO-Anteil im Sojaanbau ist Missouri mit 87 Prozent. Es sind weiterhin ausschließlich gv-Sojabohnen mit Resistenzen gegen einen oder mehrere Herbizidwirkstoffe auf dem Markt.

Nach dem Anstieg im Vorjahr sind bei Mais die Gesamtflächen nun wieder um sieben Prozent zurückgegangen. Der GVO-Anteil beträgt weiterhin 92 Prozent. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der im Frühjahr 2017 ausgesäten gv-Maissorten verfügen über mehrere Insekten- und Herbizidresistenzen (Stacked Genes). Im Handel sind verschiedene Sorten, die zwei oder mehr Varianten des Bt-Proteins bilden, die gegen Schädlinge wie etwa den Maiszünsler (European Corn borer) oder den Maiswurzelbohrer (Corn root worm) gerichtet sind. Zusätzlich sind diese Maispflanzen resistent gegen verschiedene Herbizide. Selbst in Ohio - dem Bundestaat mit dem niedrigsten GVO-Anteil bei Mais - stehen auf 82 Prozent der Maisflächen gv-Sorten.

Erneut gestiegen ist der Anbau von Baumwolle. Die Gesamtflächen legen noch einmal um 20 Prozent zu. Auch der GVO-Anteil klettert um drei auf nun 96 Prozent. Die Fläche, auf denen 2017 gv-Baumwolle heranwächst, beträgt 4,7 Millionen Hektar, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von fast 25 Prozent. Auch bei Baumwolle werden überwiegend Stacked Genes-Sorten mit Kombinationen von Herbizid- und Schädlingsresistenzen ausgesät. Ihr Anteil liegt bei 80 Prozent.

Die aktuellen Anbauzahlen deuten darauf hin, dass die US-Farmer nach wie vor von den Vorteilen gentechnisch veränderter Sorten mit Herbizid- und Insektenresistenzen überzeugt sind. Offenbar haben die zunehmenden Probleme mit resistenten Unkräutern und Schädlingen nicht zu einer veränderten Saatgut-Nachfrage geführt.

In einigen Regionen haben sich inzwischen verschiedene Unkräuter verbreitet, die gegen den überwiegend ausgebrachten Herbizidwirkstoff Glyphosat (Roundup) resistent geworden sind. Allerdings sind die Landwirte deswegen kaum zu herkömmlicher Unkrautbekämpfung zurückgekehrt, sondern bevorzugen neue gv-Sorten, die über Toleranzen gegen weitere Herbizid-Wirkstoffe verfügen, mit denen auch die Roundup-resistenten Unkräuter bekämpft werden können. Außerdem können die Landwirte nun im Wechsel verschiedene Herbizide ausbringen und so der Resistenzbildung bei den Unkräutern entgegenwirken.

Auch bei Mais und Baumwolle scheint der Trend zu gv-Sorten trotz einiger Probleme ungebrochen. Zwar treten im mittleren Westen verstärkt Maiswurzelbohrer auf, die gegen den Wirkstoff (Bt-Protein Cry3Bb1) im gv-Mais resistent geworden sind. Doch da das Konzept gegen den wichtigsten Schädling - den Maiszünsler - weiterhin wirksam ist, entscheiden sich die meisten Farmer nun für solche gv-Maissorten, die mehrere Bt-Proteine bilden und damit beide Schädlinge abwehren. Mehrere, „gestapelte“ Bt-Varianten in den neuen Sorten sollen zudem die Resistenzbildung erschweren.

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Die aktuellen Zahlen für Soja, Mais und Baumwolle beziehen sich auf die jeweiligen Flächen nach der Aussaat 2016. Sie werden vom National Agricultural Statistics Service, NASS) der US-Landwirtschaftsbehörde USDA herausgegeben und basieren auf Auswertungen von Saatgutverkäufen und repräsentativen Befragungen von Landwirten. Die später im Herbst geernteten Flächen sind in der Regel etwas niedriger.

Die Zahlen zu den übrigen gv-Pflanzen stammen aus anderen Quellen. Sie stellen in der Regel die Flächen nach der Ernte 2016 dar.

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