Impossible Burger

Fleischimitate aus Pflanzen - ohne Tiere, aber mit moderner Biotechnologie und Gentechnik-Soja

Schmeckt wie Fleisch und sieht auch so aus, ist aber keines. In den USA steigt die Nachfrage nach veganen Fleischimitaten schneller als die Hersteller produzieren können. Nun schwappt der Hype auch nach Europa. Die großen Lebensmittel- und Fleischkonzerne wollen diesen Trend nicht verpassen. Doch Veggiburger und Veggihack sind aufwändige Hightech-Produkte: Ohne Gentechnik und moderne Biotechnologie ist der perfekte Fleischersatz kaum zu schaffen.

Pat Brown

Pat Brown, Gründer und Chef von Impossible Foods, früher Professor an der Stanford University, begründet die Verwendung von Protein aus gv-Sojabohnen für die neue Version seiner Burger. „Das Schlimmste, was wir tun könnten, ist die Produktion zu begrenzen. Dann sind wir nicht konkurrenzfähig gegen Rindfleisch.“

Impossible Burger

Saftig, blutig, rot. Was den Impossible Burger von seinen Konkurrenten unterscheidet, ist die rote Farbe, die aus pflanzlicher Proteinmasse ein perfektes Fleischimitat macht. Sie wird mit gentechnisch veränderter Hefe hergestellt.

Impossible Pork

Nicht nur Rindfleisch. Anfang 2020 hat Impossible Foods vegane Schweinefleisch-Produkte (Hack, Würstchen) angekündigt. Auch bei ihnen sorgt das biotechnologische Leghemoglobin für richtige Farbe und „echten“ Fleischgeschmack.

Fotos: Impossible Foods

Es war der erfolgreichste Börsengang seit langem: Der Ausgabekurs der Aktien schoss um das Dreifache nach oben, Beyond Meat, ein 2009 in Kalifornien gegründetes Startup, sammelte Anfang Mai 2019 eine Viertelmilliarde Dollar frisches Geld ein. Seitdem geht der Expansionskurs weiter.

Das Unternehmen stellt Fleischersatzprodukte her - Geschmacksrichtung Rind oder Hühnchen, als Burger, Würstchen oder Hack – und ist damit sehr erfolgreich. Beyond Meat-Produkte sind in fast allen US-Supermärkten zu kaufen. Die Produktion konnte der Nachfrage kaum folgen, so dass die Markteinführung in Deutschland verschoben werden musste. In Europa arbeitet Beyond Meat mit starken Vertriebspartnern aus der Fleischbranche zusammen, in Deutschland mit der PHW-Gruppe, zu der auch die Marke Wiesenhof gehört. Anfang 2020 soll in den Niederlanden die erste Produktionsstätte außerhalb der USA in Betrieb gehen.

Die meisten Fleischimitate bestehen im Kern aus einer raffiniert aufbereiteten und aromatisierten pflanzlichen Protein-Masse. Bei Beyond Meat sind es Erbsen, unter hohem Druck und Hitze zu einer fleischähnlichen Textur gepresst. Doch trotz des technologischen Aufwands bleibt es ein Imitat, das mehr oder weniger deutlich hinter dem Original zurückbleibt. Auf Dauer, so sehen es viele Marktbeobachter, wird es vor allem von Vegetariern gekauft, überzeugte Fleischesser kann es jedoch nicht zum Umstieg bewegen.

Der wichtigste Konkurrent in den USA, Impossible Foods, ist dem Fleischoriginal noch einen großen Schritt näher. Hier ist es nicht Rote Beete-Saft, der das saftig-blutige Feeling vermitteln soll, sondern „richtiges“ Blut, oder genauer Leghemoglobin, ein blutähnlicher roter Farbstoff - der allerdings nicht mehr aus dem Blut geschlachteter Tiere stammt, sondern aus den Wurzeln von Sojabohnen. Viele Pflanzen können solche Stoffe (Häme) „von Natur aus“ produzieren, allerdings in sehr niedrigen Konzentrationen.

Für die Massenproduktion der Impossible Burger wird der „vegane Blutfarbstoff“ von einem Hefestamm hergestellt, in den ein dazu führender, ursprünglich pflanzlicher Stoffwechselweg eingebaut wurde (Synthetische Biologie). Es sei ein Prozess, „ähnlich wie Bierbrauen“, versichert Impossible Foods. Zwar sind diese Hefen „gentechnisch verändert“ und es zog sich über Monate hin, bis die US-amerikanische Lebensmittelbehörde FDA die Unbedenklichkeit des Soy Leghemoglobins bestätigte – doch den großen Erfolg des Impossible Burgers konnte das nicht aufhalten.

In über 17000 US-Restaurants steht er auf der Speisekarte. Jetzt hat ihn auch die Fast Food-Kette Burger King als Impossible Whopper ins Programm genommen, erst in einzelnen Filialen, später sollen sie die fleischversessenen Amerikaner landesweit von der veganen Alternative überzeugen. Längst ist die vor einem Jahr in Betrieb genommene Anlage in Oakland ausgelastet. Selbst 500 Tonnen Patties, die dort in jedem Monat hergestellt werden, reichen nicht mehr aus: Ein Teil der Produktion ist mittlerweile zu anderen Herstellern ausgelagert. Zudem ist eine zweite Anlage geplant. Doch der Erfolg der Impossible-Produkte erzwingt auch eine Änderung der Rezeptur.

Bisher besteht die „Fleisch“-Masse beim Impossible Burger aus aufbereiteten Weizen- und Kartoffelproteinen. Nun ist Soja an ihre Stelle getreten. Das hat, so erklärt es das Unternehmen, mehrere Vorteile: Die Burger können als „gluten-frei“ deklariert werden, enthalten weniger Fett und sind nach Firmenangaben „deutlich gesünder“. Außerdem können die Patties auf offener Flamme gegrillt werden und so besser Röstaromen bilden. Die neue 2.0-Version sei noch einmal näher dran am großen Vorbild Fleisch.

Um „öffentlichen Kontroversen“ aus dem Weg zu gehen, wollte Impossible Foods eigentlich nur konventionelle Sojabohnen verarbeiten – doch in den benötigten Mengen können amerikanische Farmer nicht liefern. Gentechnik-freie Sojabohnen müssten aus Brasilien importiert werden, doch der weite Transport passt nicht zum Image des grünen, klimafreundlichen Unternehmens, das offensiv damit wirbt, ein veganer Burger reduziere den Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber einem klassischen aus Rindfleisch um 89 Prozent.

In Bezug auf die Gesundheit gebe es keine Unterschiede zwischen konventionellen und gentechnisch veränderten Sojabohnen, so eine von Impossible Food durchgeführte Analyse. Bei der Umwelt habe gv-Soja sogar leichte Vorteile. Viel wichtiger sei es, so Gründer und Unternehmenschef Pat Brown, dass „wir genug produzieren und gegen die Konkurrenz Rind bestehen.“ Nur so könne die herkömmliche Fleischproduktion mit ihrem großen Flächen- und Wasserverbrauch zurückgedrängt werden.

Anders als Beyond Meat werden die Impossible Burger vorerst nicht in Europa zu kaufen sein. Bleibt es bei gv-Soja als Hauptzutat der Patties, müssten diese als „gentechnisch verändert“ gekennzeichnet werden. Zudem muss das mit gv-Hefe produzierte Leghemoglobin nach EU-Recht zugelassen werden: Im Oktober 2019 hat Impossible Foods einen Antrag nach der EU-Verordnung für gentechnisch veränderte Lebensmittel (1829/2003) eingereicht (siehe „Im Web“ links) Derzeit wird er von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf Vollständigkeit geprüft, erst danach beginnt die wissenschaftliche Sicherheitsbewertung. Ähnliche Zulassungsverfahren laufen auch in mehreren anderen Ländern.

Trotz aller Gentechnik-Skepsis bei den Konsumenten: Die Prognosen für die immer perfekteren Fleisch-Alternativen sind glänzend. Bis 2030 werde auf sie ein Anteil von 28 Prozent des Marktes für Fleischprodukte entfallen. Das entspreche einem globalen Umsatz von 400 Milliarden US-Dollar, so eine aktuelle Marktstudie (Der SPIEGEL). In den folgenden zehn Jahren bis 2040 sei mit einem Anstieg auf 60 Prozent zu rechnen.

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